by the way

Tapping mal unpeinlich

Ganz abseits von diesem aufschneiderischen Steve Vai - Eddie Van Halen-Getappe. Den Song find ich ein bißchen strukturlos, aber der Typ ist sehr cool.
  
 
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der Dude - Ritter der Schwafelrunde

2 Kommentare 26.1.07 18:46, kommentieren

(G)oldie Hawn

Meine David Lynch-Bloggerei nimmt kein Ende: Wenn ich er wär, würd ich Goldie Hawn casten. Ich glaub sie ist wieder in der Eibe rumgekrochen:


 

der Dude - Ritter der Schwafelrunde

26.1.07 18:36, kommentieren

Inland Empire

Zum Glück hat der Herr Lynch neben seinem Yogi-Scheiß mal wieder eine filmische Meditation abgeliefert. Leider ist das erst im April auch in Deutschland zu begutachten. Die kolportierte Anfangssequenz lässt schonmal hoffen: Der erste Blick geht auf eine Nadel in einer Plattenrille, was vorstürmende Interpreten als Anspielung auf die Mulholland Drive-Erkenntnis „No Hay Banda“ (Es gibt keine Band! Alles nur Illusion.) deuten. Dann hört man eine Frau, die ein polnisches Lied singt: "Ein kleines Mädchen wollte spielen, doch sie ging verloren, als wäre sie nur halb geboren...". Dann kommt ein Paar ins Bild, Gesichter unkenntlich gemacht, sie reden über Sex. Die nächste Szene zeigt drei Menschen mit Hasenköpfen, die entweder erstarrt dasitzen oder bügeln.

Bei den Stills krieg ich schon Angst. Da geh ich nicht alleine rein!

 


 


 


 

der Dude - Ritter der Schwafelrunde

3 Kommentare 24.1.07 17:29, kommentieren

Im neuen Jahr...

... entwickelt sich alles bisher ganz gut. Der Job an der Uni könnte besser nicht sein. Vielleicht mit der Ausnahme, daß meine Vorgänger mir ein paar Baustellen hinterlassen haben. Unter anderem 100 Euro Mahngebühren von nicht zurückgebrachten Büchern samt gesperrtem Benutzerausweis der Professorin. Sie war nicht amüsiert. Ansonsten: Ich kann da in meinem Büro rauchen und Musikhören und überhaupt von so einigen Privilegien profitieren; die da wären: in Sprechstunden reinplatzen; Prüfungsamtsdrachen außerhalb der Öffnungszeiten mit komplizierten Problemen behelligen; in der Bibliothek einfach direkt zum Chefzimmer gehen und dort die Sachen in Auftrag geben, für die man fiese Formulare auszufüllen hätte; und (OMG) ich bekomme demnächst einen Parkausweis. Auch der Aufgabenbereich liegt mir: Hausarbeiten lesen und bewerten; Veröffentlichungen korrigieren bevor sie zum Verlag gehen; Klausurfragen formulieren; bei Staatsexamina Protokoll führen; Homepage der Professorin aktualisieren.
Ich mußte in letzter Zeit oft an Gerhard Schröder denken. Von dem ist ja überliefert, daß er als junger Bursche an den Torgittern des Kanzleramts gerüttelt hat und schrie: "Ich will hier rein." An der Uni könnt ich´s wohl aushalten.
 
der Dude - Ritter der Schwafelrunde

1 Kommentar 24.1.07 13:10, kommentieren

Blogstatistik

Beim Blick auf die Blogstatistik bin ich auf ein wirklich bemerkenswertes Phänomen gestoßen. Während meiner mehr als dreiwöchigen Abwesenheit sind die Besucherzahlen von Tag zu Tag gestiegen; und zwar auf ein Maß, von dem selbst meine erfolgreichsten Artikel nur träumen konnten. Mit dem Moment meiner Rückkehr aber stellte sich implosionsartig wieder das zweistellige Niveau ein. Ich geb nix drum; aber skurril ist es schon.
 
der Dude - Ritter der Schwafelrunde

2 Kommentare 20.1.07 10:18, kommentieren

Schmetterlingseffekte

Habe gestern einen zweiten gefliesten Schachtisch angefertigt. Der eine war ja für den Garten in Berlin bestimmt, der von gestern ist für an den See. Die Liebe zu dem Spiel habe ich erst vor kurzem wiederentdeckt: bei dem Kampf Karpov gegen DeepFritz. Die Partien habe ich bis auf eine komplett live online verfolgt. Als Kind (ich war glaub ich sieben) hatte mir mein Vater gezeigt, wie die einzelnen Figuren sich bewegen. Ich war sofort angefixt. Meine Eltern haben mich dann zum Training des hiesigen Schachclubs gebracht, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Die ersten beiden Male haben sie mich hingefahren, beim dritten Mal bin ich dann allein mit dem Fahrrad hin. Dieses habe ich direkt vor dem Eingangsbereich des Gymnasiums abgestellt, wo der Schachclub trainiert hat. Beim rausgehen war´s dann weg. Ich war total aufgelöst, weil´s neu und mein ganzer Stolz war (gelb, von Kawai und mein erstes mit Stange). Die Schachleute haben sich gekümmert und gesucht, bis einer auf die Idee kam, daß möglicherweise der Hausmeister es konfisziert haben könnte, weil es falsch, nämlich nicht im weit entfernten Ständer geparkt war. Die haben den Typen geholt und mich dann mit ihm alleingelassen. Ich träume manchmal heute noch von diesem Ungeheuer. Typ: fahriger Choleriker; groß, laut, hochrotes Gesicht und Hornansätze auf der Stirn. Der hat mir dann dermaßen die Hölle heiß gemacht, daß ich fortan einen riesen Bogen um die Schule gemacht habe. Wenn´s mal nicht anders ging und ich dahermußte, kam sofort der Stich in der Magengegend; wie im Kirmesschaukelschiff oder bei Rückgabe von Physiktests. Diese Schule wurde natürlich mein Gymnasium und von Anfang an habe ich mich da nicht wohlgefühlt, den Ort gehaßt und das blieb auch so bis zum Schluß. Die Angst ging nie so richtig weg, und bei jedem Fitzel Arbeit, den ich für dieses Haus zu erledigen hatte, kam mir die Galle hoch. Emotionstheoretisch vollkommen logisch: Erstbeschäftigungen mit einem Gegenstand werden mitsamt des Gefühls im Gedächtnis gespeichert, das man hatte, als man sich damit erstmals beschäftigt hat. Kein Wunder also, dass dieses Sichmiesfühlen immer aufkam, wenn ich die besagten geheiligten Hallen betreten mußte. Ich will´s nicht allein darauf schieben; aber möglicherweise liegt hier auch eine Ursache dafür, daß meine weiterführende Schulzeit mir im Rückblick als ein einziges Martyrium erscheint. Dieselbe Aversion gilt für´s Schachspielen. Gerade heute hasse ich dieses Hausmeisterarschloch noch viel mehr, weil ich einfach einsehen muß, daß ich nie so gut werde Schachspielen lernen können, als wenn ich damals dabeigeblieben wäre. Das ist bitter. Meine letzte Hoffnung ist, daß ich es wenigstens so gut lerne, um durch die gesteigerte Planungsfähigkeit einen sicheren Racheplan auszuhecken. So wie der Typ in "From Russia with Love".
Motto des Tages:
The old bastard left his ties and his suit
A brown box, mothballs and bowling shoes
and his opinion so you'd never have to choose
Pretty soon, you'll be an old bastard too
(Ben Folds)
der Dude - Ritter der Schwafelrunde

1 Kommentar 17.1.07 11:21, kommentieren

Danke Scarlett

Eine tolle Geburtstagsüberraschung hatte heute Scarlett Johansson für mich parat. Sie spielt mir zuliebe die Titelrolle in der Verfilmung der Autobiographie von Jenna Jameson. Hätte nichts dagegen wenn das Schule macht.
der Dude - Ritter der Schwafelrunde

17.1.07 10:50, kommentieren

Jahresendzeitfragmente

Die Wochen meiner hiesigen Abwesenheit lassen sich recht leicht zusammenfassen: „I´ve been lonely too long“ (The Young Rascals – was für ein schöner Song das ist) und „turn off your mind and float downstream“, was mich zu der schwer zu beantworten Frage führt, ob ich die „Revolver“ besser finde oder doch eher das Spätwerk der Beatles („White Album“, „Abbey Road“ ). Ich mag das spielfreudige Herantasten an die Neuerfindung der Popmusik im späten Frühwerk ebenso wie die sichere Genialität zum Ende hin. Die Mahavishnu-Metapher trifft es gut: „inner mounting flame“ vs. „birds of fire“; weiterhelfen tut´s auch nicht. Ist halt beides auf seine Art grandios, also eigentlich bescheuert es gegeneinander abzuwägen.


Beim Reinfeiern ins neue Jahr hat der Henzenmann mir mit einem Weezer-Cover zur Erkenntnis meines resignativen Lebensmottos verholfen: „In the garage / I feel safe / no one cares about my ways / in the garage / where I belong“. Zum Glück hat er mich direkt danach mit einer Uptempo-Version meiner Lieblingsballade von ihm wieder aufzuheitern gewußt. Recht herzlichen Dank für den schönen Abend.


Ich muß mich wohl doch mal kundig machen in puncto Internetrecht. Meine Wissenslücken wurden mir ziemlich deutlich von einer jungen Dame nahegebracht, die mir mit Anzeige gedroht hat, weil ich ein Photo von ihr samt Links zu ihrer Myspace-Seite und ihrem öffentlichen Partnersuchprofil gebloggt habe. Anscheinend war sie sehr erzürnt darüber, daß ich auf ihr gutes Aussehen und ihren respektablen Musikgeschmack hingewiesen habe. Ich bitte daher alle, denen ich im Verlauf der Verjährungsfrist eines solchen Vergehens öffentlich ein Kompliment gemacht habe, mir zu vergeben. Es soll nicht wieder vorkommen.


Obwohl ich mich aufgrund meines biblischen Alters immer mehr vom Utopisten zum Pragmatiker entwickle und demzufolge Taten dem Reden über Taten vorziehe, muß ich da im Falle von Joe Pesci eine Ausnahme machen. Ich liebe seine absolut übergangslosen Gewaltausbrüche. Am eindrucksvollsten finde ich ihn aber in einer Szene aus „Casino“. Da redet er in der Figur des Nicky Santoro besänftigend und lächelnd-selbstironisch über diese seine Art; nicht weniger beängstigend und präsent, als wenn er seinen Gesprächspartner direkt zusammengeschlagen hätte. Er hat von einem Bankier Geld anlegen lassen, das jetzt futsch ist. Davor hatte ihn der Typ auch gewarnt. Er sagt, er will sein Geld zurück. Der Banker lacht. Daraufhin kommt es zu folgendem Monolog: „I think – in all fairness – I should explain to you exactly what it is that I do. For instance, tomorrow morning I like to get up nice and early and take a walk down over to the bank. I walk in and see you and if you don't have my money for me, I'll crack your fuckin' head wide open in front of everybody at the bank. And just about the time that I'm coming out of jail – hopefully – you'll be coming out of your coma. And then, guess what? I'll split your fuckin' head open again. ´Cause I'm fuckin' stupid. I don't give a fuck about jail. That's my business. That's what I do.“ Ähnlich eindrucksvoll und komisch fand ich im übrigen eine Szene aus der letzten Sopranos-Staffel. Johnny Sac (Boss von New York) sitzt in U-Haft und die Anhörung zu seinem Verfahren steht bevor. Sein jüdischer Anwalt Ron rät ihm, um das Strafmaß in Grenzen zu halten, Insider-Informationen preiszugeben. Ron: „It's my obligation to raise the idea, again, of cooperating.“ Johnny: „Flip!? Let me explain something to you again, Ron, but differently. Being a rat where I'm coming from, that's like asking a person where you're coming from to become a fucking Nazi!! I don't want to hear that shit again.“


Ich habe einen neuen Kater. Er hätte Schauspieler werden sollen. Ich wollte einen, dessen Liebe ich mir erst verdienen muß; nicht so ein Schlampenteil, das sich jedem schnurrend vor die Füße wirft. Im Tierheim war er total scheu. Mit der Minute seines Einzugs aber hörte er nicht mehr auf zu schmusen, lässt sich von jedem auf den Arm nehmen usw. Wenigstens macht er ne Menge Sachen kaputt, sonst hätte ich ihn zurückgebracht.



Ich habe ein neues Zelt.



Ich habe eine neue Benzinlaterne.


 

Ich habe aus einem alten Kutschenradring einen gefliesten Gartenschachtisch gebaut.


 
Ich habe zum ersten Mal geangelt, einen Fisch gefangen (Hecht), entschuppt, ausgenommen, zubereitet und verspeist. Jetzt kann ich mein eigenes Essen jagen. Muß halt nur immer einer dabeisein, der die Teile für mich tötet.


Nach meiner Promotion steht ein Lehrauftrag in Aussicht. Mit richtig Seminare geben und Studenten und allem drum und dran. Endlich mal Uni machen wie ich will. Motiviert in Sachen endlich mal fertig werden.


Falls Euch mal langweilig ist: Macht kaputt, was Euch kaputtmacht!

 

der Dude – Ritter der Schwafelrunde

3 Kommentare 14.1.07 15:33, kommentieren

Rauchen ist cool

 

 

 

Wirklich geschafft hat man´s, wenn man im Fernsehen ketterauchen darf. So gesehen auf N3 bei einer Wiederholung von „Beckmann“ (*kotz* Ich liebe Willemsen für seinen Kommentar zur Wahl Beckmanns als „Medienmann des Jahres 2004“: „Das ist die Inthronisierung des Nichts.“ ) Zu Gast hatte er den 88-jährigen Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt. Und der hat die ganze Zeit in einer Tour geraucht. Daran hat man auch gemerkt, daß die Sendung aus zig Einzelteilen zusammenzugeschustert ist, weil sich Schmidt in zwei aufeinanderfolgenden Fragen jeweils ne neue Zigarette angesteckt hat. Ich habe eingeschaltet, als Beckmann grad fragte: „Als sie in China waren mußten sie doch bestimmt mit Stäbchen essen. Können sie das denn?“ Schmidt greift langsam zur Schachtel, fingert sehr galant einhändig eine Zigarette heraus, führt nach dem Ergreifen des Feuerzeugs mit derselben Hand diese in Zeitlupe zum Mund, setzt die Zigarette genau an die richtige Stelle (nicht zu mittig = weiblicher Gelegenheitsraucher und nicht zu seitlich = zu stark betonte Lässigkeit), zündet die Zigarette an ohne zu schielen, lässt sich während des Ziehens nach hinten in den Sessel sinken, neigt den Kopf ein wenig nach oben, blickt dem ruhig ausgeatmeten Rauch etwas verträumt nach, senkt den Kopf wieder, kneift die Augen ein wenig zusammen, ein kurzer stechender Blick zu Beckmann und sagt langsam mit einer leisen tiefen Raucherstimme: „Ja.“ So ging das die ganze Zeit. Beckmann hat das natürlich durch den Stress von an Dämlichkeit nicht zu überbietende Fragen gefördert. Aber auch dadurch, daß er andauernd dem Kaffee mit Milch und Zucker-trinkenden Schmidt untergebenst Kaffee nachgeschenkt und so die Kaffee-Milch-Zucker-Mischung kaputtgemacht hat. Ich nehme mal an, daß Schmidt gar nicht gekommen wäre, wenn er nicht hätte rauchen dürfen. Daß aber Beckmann nur rauchend zu ertragen ist, kann man an folgendem Dialog ganz gut sehen. Beckmann fragt was. Schmidt antwortet: „Das ist eine sehr komplexe Thematik und bietet Stoff für drei Stunden Sendung“ Beckmann sagt: „Also wir haben Zeit. Haben sie denn noch genug ´Stoff´“ Schmidt schielt auf seine Schachtel: „Ich hab nur noch zwei Zigaretten. Dann müssen wir spätestens aufhören“

Dann kommen sie aufs Schachspielen zu sprechen. Beckmann stichelt rum und will von Streits hören, die Helmut Schmidt mit seiner Frau Loki hatte, nachdem er eine Partie gegen sie gewonnen hat. Schnitt auf eine MAZ aus dem Hause Schmidt. Rück-Zoom vom Schachbrett auf ihn und seine Frau. Beide am Rauchen. Und sei das der Coolness noch nicht genug, er im Smoking, Kragenhemdhemdknöpfe offen, Krawatte zur Seite, etwas zersaustes Haar, in den Sessel geflezt mit einem bösartigen Blick zu ihr. Sie gibt auf, macht einen Spruch und er verfällt in herzliches Rauchergelächter.

Überzeugende Anti-Rauchen-Kampagnen müßten meines Erachtens neben diesem selbsterklärenden Gesundheitszeug zwei Argumente beinhalten. Zum einen müßten sie mir schlüssig beweisen, warum Frauen, die nachdem sie ihre Haare über die Schulter geworfen haben den Rauch aus dem Mundwinkel schräg nach oben blasen nicht sexy sind. Zum anderen müßte mir in gleicher Plausibilität die Uncoolness des rauchenden Helmut Schmidt aufgezeigt werden.


der Dude – Ritter der Schwafelrunde

8 Kommentare 13.12.06 15:21, kommentieren

Unlistenable Songs

Steh auf, Trinity!


Mario und Bianca haben vor kurzem ein außergewöhnliches Konzert organisiert und mir einen der schönsten Ausgeh-Abende dieses Jahres geschenkt. Sie haben (privat finanziert!) Daniel Kahn und Geoff Berner hier in die Provinz geholt. Bianca hatte Geoff Berner in Oslo im Vorprogramm des "Kaizers Orchestra" gesehen und ich glaub dann nochmal solo mit Dan Kahn als Support. Vielleicht hat die Ankündigung der beiden als „Klezmer“-Musiker bei vielen Daheimgebliebenen Schwermutvermutungen erzeugt. Der Abend war jedenfalls ein ebenso intimes wie exklusives Erlebnis.



Daniel Kahn hat den Abend eröffnet. Er fasziniert allein schon durch seine Erscheinung. Der wilde Bart, der stechende Vincent Gallo-Blick, dazu ein merkwürdigerweise sehr schüchterner Gesichtsausdruck, der auch nicht zu dem etwas grobschlächtig wirkenden Zimmermann-auf-Wanderschaft-mäßigen Anzug passte. Er spielt mit unheimlich viel Sex, stampft wild, schreit, erstarrt, wispert und entlockt seinem Akkordeon dessen gesamte orchestrale Dynamik, von nahezu unhörbaren Tonfädchen (leiser als das Tastengeklapper) bis ach was weiß denn ich wie laut. Formal überall und irgendwo zwischen Tom Waits, Jack White und Leonard Cohen reicht sein Repertoire von Klezmer-Traditionals über Brecht-/Weil-Lieder bis zu grandiosen Singer-Songwriter-Eigenkompositionen. Gut war, dass er die Songs mit jiddischem Text thematisch vorgestellt hat. Trotz der deutschen Vokabel-Intarsien habe ich denen inhaltlich kaum folgen können. Normalerweise stehe ich überhaupt nicht auf das Gelaber zwischen den Liedern. Aber Kahn hat das derart brilliant und emotional gemacht, daß die Songs einem dadurch nochmal nähergingen. Ich erinnere mich z.B. heute nach einer Woche noch an folgende Ankündigung: „The next song was written nearly a hundred years ago. It ist called „The Sinking of the Titanic“. I altered the titel to „The Sinking of New Orleans“, the city I used to live in, which sank as well and from where a lot of musicians found the way to this bar, as I noticed in the backstage room ...“ Bei diesem Track mußte man dann schon die Zähne zusammenbeißen, um nicht selbst in der eigenen Tränenflut zu ertrinken. Eine andere Ansage ging etwa so: "When I was six years old I fell in love with a girl. So I went to my mother´s room and took a ring of hers which I gave to the girl as a present. She threw it in the garbage. I think of her every day. Maybe I meet her backstage tonight." Sein letzter Song war ein Mitsinglied, irgendwas mit „Poor Edward“ oder so. Die erste unpeinliche Publikumsanimation meiner Konzertgängerkarriere.



Geoff Berner war dann, trotz der gleichen Instrumentierung, ein heftiges Kontrastprogramm. Zunächst optisch: Ein kleines, hänflinghaftes, schmallippiges, blasses, leises Männchen, das fortwährend milliliterweise an einer Kaffeetasse nippt (daß da Whiskey drin war wurde mir erst später zugetragen). Sein Akkordeon war ein ganz kleines, und es diente auch mehr der immer gleichleisen Untermalung, stand nicht so im Vordergrund wie meist bei Kahn. Seine Stimme ist keine schöne; oft nur ein melodisches Sprechen, ganz manchmal auch ein Krächzen („I´m a Goddam Lucky Jew“ ). Das macht aber gar nichts, im Gegenteil, weil bei ihm das Rüberkommen und die Verständlichkeit der Lyrics im Vordergund steht. Von den teilweise sehr osteuropäisch klingenden Klezmer-Einflüssen war bei ihm – im Gegensatz zu Kahn – nichts zu spüren. Man fühlte sich eher an die klassisch-melancholische Schule der gitarristischen Songwriter-Tradition erinnert (Cohen, Drake, Dylan). Nichtsdestotrotz ging das genauso unter die Haut wie Kahns vorherige Darstellung. Nur ein Beispiel: „I devoted my life to songs. A song can be so powerful. It can save your life and it can ruin your life. The next song I like to play is so beautiful, you never wanna hear it again. It ist called „The unlistenable song“.“ Damit hatte er keines falls übertrieben. Zumindest in meiner jetzigen Verfassung möchte ich mir diese traurig-schöne Popperle nicht zumuten.

 

The Unlistenable Song


Thank you for sending me your new recording,

It was so kind of you to think of me.
Not a single track is boring,

It´s executed perfectly.
There´s just one song I would forget if I could.
I guess that you could say it´s just a little too good.
I have to skip it. I just can´t listen.
I just can´t listen to that song.


First time I heard it, I remember, I was driving
From somewhere to somewhere else.
Had to pull over because I just started crying,
As if I couldn´t help myself.
As if something that I thought was over and done
Was something that I´ll never really quite recover from.
I have to skip it. I just can´t listen.
I just can´t listen to that song.


That song reminds me of someone I used to know.
She needed help and protection,
And that´s about as far on that subject as I like to go.
So be sure to tell me when you´re coming through town next.
I´ll try to make it out. Maybe we could have a drink after soundcheck.
There´s lots we could chat about.
And with your setlist, don´t change a thing,
Just give a little warning before you begin.
I have to skip it. I just can´t listen.

I just can´t listen to that song.


Danke nochmal an Bianca und Mario. Ich kenne keinen, der sich für das Wohl der anderen so ins Zeug legt. Wenn ich mal zu Geld komme, dann teilt mir einfach mit, wieviel Minus ihr gemacht habt. Ich zahl das dann.

der Dude – Ritter der Schwafelrunde

5 Kommentare 13.12.06 14:20, kommentieren