Wer sich bei der ersten Sopranos-Folge gefragt hat, was für ein labiler Typ Tony sein muss, daß er in Ohnmacht fällt, weil die Enten, die es sich auf seinem Pool gemütlich gemacht hatten, sich gen Süden verabschiedet hatten, der ist selbst noch nicht in den emotional sehr dynamischen Genuß der Entenhaltung gekommen. Ach diese Enten! Es handelt sich um sechs weiße Mandarinenten, die den gepachteten Teich (60x40m) natürlich sehr apart veredeln, wenn sie ihn im Gruppetto so elegant kreuzen. Sie sehen aus wie weiße Täubchen oder Minimöwen. Gab es da nichtmal diesen Song von Hans Hartz: „Die weißen Tauben sind Möwen“? Egal. Daß man sich dem Schutz dieser an Liebreiz kaum zu übertreffenden Geschöpfe verpflichtet fühlt, ist klar. Daß man aber des Nachts nicht mehr ruhig schlafen kann, weil man in ständiger Sorge um die Enten lebt, dazu trägt ihre mit Worten gar nicht zu beschreibende Ängstlichkeit bei. Diese Enten sind in einer völlig gestörten Art und Weise fleischgewordene Angstcharaktere. Und wenn sie Angst haben, dann gefährden sie sich selbst. Anstatt aufs Wasser zu flüchten, rennen sie das Ufer entlang, in den Wald, über die Straße, auf den Acker, wo sie natürlich umso leichtere Ziele für Fuchs, Habicht, Marder und Co. darstellen. Erschrecken sie sich auf dem Teich, dann tauchen sie minutenlang unter, und das immer wieder, im Extremfall (sagt zumindest das Internet) bis zum Tod durch Ertrinken (sie wissen halt nicht, daß sie keine Kormorane sind). Wenigstens haben sie sich bereits gute Stellen ausgesucht, an denen sie sich relativ ungestört ausruhen können (blickdichte und undurchdringliche Brombeerüberhänge am Ufer). Wenn sie da sitzen, lassen sie es manchmal zu, sie aus der Nähe zu betrachten. Man muß nur entweder schnell vorbeigehen oder sich ganz langsam nähern, aber nicht zu nah. Normalerweise müssten sie sich eigentlich an meine Gestalt bereits gewöhnt haben, so oft und so lange ich da war, um mich ihres Wohlergehens zu versichern. Am Samstag habe ich mich sogar dazu durchgerungen, eine Viertelstunde beruhigend auf sie einzureden, als sie mal wieder in ihrem Brombeergestrüpp kauerten, obwohl ich vor Scham ob dieses peinlichen Geredes fast gestorben wäre. Sie haben zu mir aufgeschaut, artig gelauscht und sind nicht abgehauen. Zum Schluß meine ich sogar bemerkt zu haben, daß zwei von ihnen weniger ängstlich, vielmehr interessiert geschaut hätten; aber da kann auch der Wunsch Vater des Gedanken gewesen sein. Heute kam ich hin und sie sind wieder gerannt und getaucht. Was soll man da machen? Hatte ich vorher schon bei auffrischendem Wind Zweifel, wie die Enten das wohl überstehen, bin ich gestern tausend Tode gestorben, weil es stürmte, hagelte und blitzte, das volle Angstprogramm. Sie könnten es sich ganz einfach machen. Ich habe ihnen nämlich auf dem Teich eine Stelzenterasse gebaut mit einem schönen Haus drauf. Da wären sie vor Killertieren in Sicherheit und auch noch vor Wind und Wetter geschützt. Aber leider jagt ihnen diese geniale Konstruktion ebenfalls Angst ein. Jetzt freut sich nur der Eisvogel, der sich vom Dach des Häuschens aus ins Wasser stürzt. Auch so der Futterautomat. Ich habe ihnen eine Spur Futter zu diesem Teil gestreut, und wenn sie etwa zwei Meter davor angekommen sind, fangen sie an mit ihrem Hinterteil zu wackeln, gehen nicht mehr voran, sondern machen einen langen Hals um noch ein paar Körner zu fressen und kehren dann um. Vorgestern hätten sie es glaube ich fast gewagt, aus dem Teil zu fressen, aber dann landete eine Pärchen Stockenten auf dem Teich (das sich natürlich ohne Scheu an dem Futterautomaten gütlich getan hat), dann kam ein Auto usw., irgendwas war immer und dann war´s auch schon dunkel. Heute habe ich vier Nistkästen für die Enten gebaut. Meine letzte Hoffnung ist echt ihr Geschlechtstrieb. Vielleicht macht Liebe ja auch Enten blind und sie scheißen auf Störungen, wenn nur der Partner zum balzen da ist. Während des Brütens sollen die Erpel sogar todesmutig auf Menschen zurennen und märtyrermäßig den Feind vom Nest ablenken. Wäre nicht schlecht, wenn´s so käme, dann könnte ich mal ein Photo machen.
Was wohl die Enten grad machen?
der Dude – Ritter der Schwafelrunde
Den gestrigen Samstagabend habe ich in der Sauna verbracht. Die Wirkung ist mal wieder unglaublich: der Raucherhusten klingt heute ganz anders; irgendwie gesünder. Meine Schwester hatte mir einen Gutschein für die Saunalandschaft „Ishara“ geschenkt. Die befindet sich in der Stadt, welche es Gerüchten zufolge gar nicht geben soll. Ich bin extra spät hingefahren, damit das Ende meiner vierstündigen Aufenthaltserlaubnis mit dem Ende der Öffnungszeit (23 Uhr) zusammfällt. Plan: dann sind keine Kinder mehr da, weil die müssten ja eigentlich schon längst im Bett liegen, und auch keine Kicherteenies, weil die müssen Samstags ja auf Partys flirten und knutschen und schlussmachen und lästern und sich mit unlustigen Sprüchen ins Spiel bringen und so. Das war ein Irrtum. Die Kinder gingen noch. Die haben sich meist nur die Nasen an den verglasten Saunatüren plattgedrückt und dabei die halbseitig gelähmte Rocky-Adrian-Grimasse gezogen. Die Teenies haben das, was sie sonst so samstags machen, auch gemacht, nur halt eben in der Sauna. Schon bei meinem Fußbad zum Einstieg malträtierte ein debiler Teenboy meine etwa 19-jährige Sitznachbarin derart penetrant mit anzüglichen Möchtegernwitzen, daß ich ihm, wenn ich eine Frau gewesen wäre, angeboten hätte, ihm einen runterzuholen, nur damit die eigenen Entspannungsabsichten nicht weiter durchkreuzt werden. Beim 20 Uhr-Aufguß in der Blockhaussauna geriet ich in eine 20-köpfige Gruppe, Marke: Jugendhaus Blankenhagen macht nen Ausflug. Frauenfeindliches Phrasengedresche, Gegröhle, Gespanne; selbst die Aufgußtussi wurde nicht ausgespart; die Jungs natürlich alle in Badeboxershorts und ohne Handtuch drunter. Saunazeit halbiert und ins Dampfbad geflüchtet. Danach in den Ruhebereich, dick in Decken eingemummelt und im Halbschlaf Schacheröffnungen studiert; bis zwei Frauen Mitte 20 dort anfingen über ihre Partner herzuziehen. Ich dachte: „Warum machen die das nicht im Kino wie sonst auch immer?“ Beim nächsten Aufguß dieselbe Scheiße. Strategiewechsel: Immer in die Sauna gehen, wo grad kein Aufguß ist. Gute Idee: da war ich dann zweimal allein, einmal zusammen mit zwei anderen schweigenden Saunaprofis.
Im Anschluß zu Burger King. Der Heißhunger nach einem Saunagang ist wirklich unglaublich. Dort hatte ich das Glück von meinem Lieblingscutie bedient zu werden. Ich geh da höchstens einmal alle drei Monate und zu unterschiedlichen Zeiten hin, aber immer hat sie grad Schicht. Sie ist keine Megaschönheit, hat aber ein ansprechendes Wesen. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe den Eindruck, daß sie mich sehr entgegenkommend behandelt. Gestern hat sie sich förmlich drum gerissen, mich zu bedienen. Eine andere Bedienung hatte mir schon lautstark signalisiert, dass sie sich gleich um mich kümmern werde. Frau Cutie hatte aber wohl andere Pläne, jedenfalls bearbeite sie ihre aktuelle Bestellung im Laufschritt und vom Gemüt her bestenfalls pragmatisch, um dann etwas außer Atem aber sympathisch lächelnd mir zu Diensten sein zu können. In der Urzeit hätten wir es einfach direkt auf dem Tresen getrieben. In der Jetztzeit hangelt man sich dann durch die Reihe komplizierter Sympathierituale. Sie fragt unterwürfigst, ob es auch das Menü sein dürfe, und ich, obwohl ich das gar nicht will, tue ihr den Gefallen; Mayo oder Ketchup lehne ich betont dankend aber ab, weil ich die Pommes ja sowieso nicht essen werden; ich gebe ihr 10,70 Euro, sie gibt 11 Euro ein, ich weise sie auf den Fehler hin, „oh, das ist aber nett“, sie macht den Burgermechanikern Beine und bringt mir die Tüte zu meinem Wartetisch anstatt mich wie üblich zur Theke zu zitieren, „danke schön“, „ich hab doch mal vorsichtshalber Mayonaise und Ketchup reingepackt“ *grien*; sowas eben. Nett.
Im Bett und mit vollgefressenem, verhärtetem Bauch dann ein wenig Boxen geschaut. Bis zu dem Punkt, wo der Trainer seinem Schützling in der Pause zwischen den Runden sagte: „Schlag ihm auf die Leber. Immer auf die Leber schlagen.“
Morgens dann dieses TagnachderSauna-Gefühl: völlig entspannt, leicht wie eine Feder, aber auch ohne rechten Antrieb; deshalb erstmal ein bißchen zappen und dann aufstehen. Ging zwei Minuten gut, danach hatten mich die Rechtschreibfehler im NTV-Durchlauftext so zur Weißglut gebracht, daß ich die Lust am Fernsehen verlor. Beim Kaffee unten dann in der ZEIT geblättert und merkwürdigerweise beim Teil „Reisen“ hängengeblieben; den lese ich nie. Der Leitartikel handelte von Venedig; eine Stadt in die mich nichts zieht. Die vielen Amis, die Tauben, die peinlichen Touriaktionen, das kommt einem bestimmt im Gegensatz zu der Architektur noch viel schlimmer vor. Deshalb ist der Journalist da auch im Winter hingefahren, wo es selbst im milden Venedig unangenehm nasskalt werden kann. „Die besondere Atmosphäre dieser Stadt steigt ganz unsentimental erst aus dem kalten Marmor auf. (...) Wer an einem Wintertag wie diesem den beinahe leeren Dogenpalast besucht, wird es sehen. (...) In der winterlichen Leere meint man den Takt jenes gewesenen Lebens noch zu spüren. (...) Man sieht es plötzlich überall in seiner Normalität. Auf dem Campo Santa Margherita werden die beiden Platanen beschnitten und dabei laut diskutierend alte, klapprige Leitern hin- und hergeschoben. Ein Fischhändler bietet auf seinem zweirädrigen Karren Krebse und Gamberetti aus der Lagune an, Pulpo und Spada. Es gibt eine Tabaccheria auf dem Platz, die auch Kinderspielzeug, Parfüm und die Lose der diversen Lotterien verkauft. Und es gibt Bänke, bequem geschwungene Holzbänke, auf denen die alten Frauen sitzen und ihren Enkeln zusehen. (...) Und es wundert einen nicht, dass alle, die eben noch in Gruppen beieinanderstanden und angeregt redeten, ihre kleinen weißen Hunde an schlappen Leinen geduldig neben sich, mit einem Mal verschwunden sind, als es Zeit ist für das Mittagessen.“
Ob nackt oder in Venedig, alles geht nur noch zu unattraktiven Zeiten. Vielleicht mache ich, wenn die Schneekanonen eingesommert wurden, mal eine Radtour zum Kahlen Asten; ich stell mir auch ne Reise nach Connecticut ganz schön vor, wenn nicht grad Indian Summer ist; vielleicht gefällt es mir am Matterhorn bei Nebel besonders gut; oder überhaupt irgendwo, wo grad nichts los ist.
der Dude – Ritter der Schwafelrunde
Als Ergänzung zu diesem Eintrag, hier nun das Résumé. Einen besseren Start in das Turnier hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Mein Nervpartner hatte eine so üble Migräneattacke, daß er nur das Nötigste gesprochen hat. Zweitens (ich hatte mir langweilige Sachen zu Trinken mitgenommen und 8 Euro) ist ihm seine unangetastete „10 Euro Durchstreich-Trinkkarte“ aus der Jackentasche gefallen und lag vor seinem Stuhl. Bei seiner nächsten Abwesenheit das Teil an mich genommen und dann: Groovy Baby, Kapitalismus! Erst mal mit mir selbst und Ricard auf meinen überraschenden Reichtum angestoßen. Von dem wirklich prominent besetzten Starterfeld (Mannschaften aus Schweden, Niederlande, Frankreich, Belgien, Schweiz) einmal abgesehen, war es ein ganz normales Boule-Hallenturnier:
Durch den unvermeidlichen Staub fühlt sich die Nase nach einer Stunde so an, als hätte man einen Eimer Scheuersand gesnieft. Die Hallenheizung fällt obligatorisch vor Einbruch der Dunkelheit aus (diesmal durch Regen in die die zuständige Stromversorgungseinheit). Das Aufwärmen im „Gastronomie-Bereich“ macht nicht wirklich Spaß, weil nur da geraucht werden darf. Obwohl aber die Mehrzahl der Boulespieler Kettenraucher sind, kann der von ihnen produzierte Nebel des Grauens den Furzgeruch mikrowellenerwärmter Fertigfrikadellen nicht überdecken. Vielleicht weil er Unterstützung bekommt aus der Herren-Toilette, deren Zugangstür sich direkt neben dem Tresen befindet. Dort gibt es natürlich keine Urinale, Mann steht Schlange vor den (Murphys Gesetz) jedesmal von AA-machendenden Leuten blockierten zwei (!) Abschließtoiletten und kann es nicht abwarten, endlich wieder den Beißgeruch des Rauchs oder den Hallenstaub einatmen zu dürfen.
Aber diesmal hat sich die Klowarterei sogar mal gelohnt. Sascha von Pless (Nationalspieler) hat sich doch tatsächlich mit mir, einem Unwürdigen, unterhalten. Dann gesellt sich auch noch Dominique Tsuroupa dazu, den ich flüchtig aus Berlin kenne und der mich komischerweise wiedererkennt. Zusammen mit ein paar präzis angebrachten Sprüchen meinerseits (richtige Mischung aus zynischem Witz und Anmaßung; als Schleimer hat man keine Chance) hat mir das doch tatsächlich Zugang zu deren VIP-Lounge verschafft. Man stelle sich einen Raum vor, in dem 100 Leute dichtgedrängt rumstehen, weil es nur 50 Stühle gibt. Am Ende dieses Raumes befinden sich äußerst bequeme Ledercouchen, auf jeder liegt quer (!) ein deutscher Boule-Superstar mit den Füßen auf der Sitzfläche; zwei Sofas sind sogar unbesetzt. Das Bouleproletariat käme aber niemals auf die Idee, sich dort hinzupflanzen. Im Schlepptau der Avantgarde konnte ich da nun auch den Römer geben. Es ist unglaublich, wie sich hier im Kleinen das wiederholt, was man bzgl. der Showbusiness-Celebrities immer vermutet: hier gibt es (neben bequemen Sitzmöbeln) schöne Frauen, einen iPod mit Boxen aus denen wirklich gute Musik ertönt, Chips auf dem Tisch, Drogen, die Aschenbecher werden alle fünf Minuten geleert, interessante Gesprächsthemen (kein Gelaber über Boule) usw. Die Atmosphäre ist locker, und so komme ich in den Genuß neben Laura Makowski zu sitzen (die Nicolette Krebitz des Boulesports; „Selig“ haben diesen Song für sie geschrieben). Es hatte den Anschein, als sei sie mit Sascha von Pless zusammen. Noch so eine Showbiz-Parallele, diese Brangelina-Partnerschaften. Egal, sie hat sogar mit mir gesprochen und über einen Witz von mir herzlich gelacht. Eigentlich war es kein Witz, sondern ein Spruch über die ausgebeuteten Angeblichpromis von DsdS; aber sie hat sich den Schuh wohl nicht angezogen. Den habe ich allerdings nur gemacht, um über eine an diesem Abend gewonnene Selbsterkenntnis hinwegzutäuschen: Ich bin eine Promischlampe. Ich bin die Jenny Elvers der deutschen Bouleszene. Hab mich dann auch wieder schnell vom Acker gemacht. Man sieht ja an der Lauterbach-Geschichte, daß das zu nichts führt. Irgendwann holen einen die eigenen Absichten ein, und dann bewegen sich die Grüppchen der LargerThanLife-Menschen so synchron von einem weg, wie Pina Bausch es nicht besser choreographieren könnte.
Irgendwann fing natürlich der Schlafentzug an, seinen Tribut einzufordern. Ich hatte Wahrnehmungsstörungen. In der Halle lief leise Musik (Radio Gütersloh), und andauernd hatte ich den Eindruck Lieder zu hören, mit denen ich mich in den kurzen Pausen mit meinem iPod von eben dieser Radio Gütersloh-Katastrophe hatte erholen wollen. Arctic Monkeys und anderes Pusher-Zeug, das nicht zu der nötigen ruhigen Spielhaltung passte, ohne die man aufgeschmissen ist. Das ließ sich nicht abstellen und so mußte aus der Not eine Tugend gemacht werden. In der nächsten Pause habe ich mir fünfmal hintereinander von Neil Young den „Theme for Dead Man“ angehört. Ein Instrumentalstück für den gleichnamigen Jim Jarmusch-Streifen. Eines von den wenigen Stücken, das mich als ohrwurmiger Lebenssoundtrack nicht würde wahnsinnig werden lassen. Mitten in dem Song ist eine Sprecheinlage von Johnny Depp. Ich werde im Fall eines Lottogewinns die angedachte Penisverlängerung einer Stimmband-Operation nachordnen. Ich sage Euch Leute, das kommt, das ist der noch nicht angegrabene Stollen einer plastisch-chirurgischen Goldgrube. Wenn selbst mich als unterdrückt chauvinistischem Megahetero bei dieser Stimme die spontane Lust befällt, mich mit dem Wesen dieser Stimme zu vereinigen. Auf eine metaphysische Weise versteht sich. So gottmäßig. Gegen den 24 Stunden-Schlauch habe ich dann natürlich die falschen Mittel ergriffen. 1) Furzfrikadelle gegessen. Der Hunger treibt´s rein. 2) Im Rauchraum geraucht. Die Sucht treibt´s rein. 3) Zuviel Kaffee getrunken. Die Müdigkeit war stärker als die Einsicht, daß das zusammen mit den anderen Verfehlungen auf den Magen schlagen wird. Auf der Rückfahrt war mir schlecht und ich hätte den Fahrer gern gebeten anzuhalten, damit ich am Straßenrand zum Islam konvertieren kann. Ich wurde aber durch spontane Existenzängste davon abgehalten weil er damit beschäftigt war, dem Beifahrer die Sicherheitstechnik seines neuen Mercedes vorzuführen. „Hier oben ist ne unfallsichere Gegensprechanlage. Wenn das Auto über einen gewissen Grad hinaus deformiert wird, dann schickt es ne Nachricht an die nächste Rettungszentrale. Die melden sich dann über dieses Teil. Und wenn ich nicht in 30 Sekunden Antwort gebe, dann wird ein Hubschrauber losgeschickt. Die wissen per GPS, wo sich das Auto befindet. Und das hier ist ein ...“ Von den zweifellos äußerst praktischen Sicherheitsvorkehrungen des Fahrzeugs hätten wir fast profitieren können, weil er das alles gestisch so enthusiastisch anpries, daß wir mehrmals nur haarscharf nicht bei Tempo 180 in den Gegenverkehr gerast sind. Da wünscht man sich andauernd so unnützes Zeug wie Liebe und Geld, muß aber in so einer Situation einsehen, daß die wahre Glückseligkeit darin besteht, überhaupt am Leben zu sein und zu Hause in Ruhe kotzen zu können.
Vom Ergebnis her war´s ganz o.k. Dritter Platz im C-Turnier, was Platz 27 von 48 Mannschaften entspricht. Da hätte vor allem finanziell mehr dringelegen. Im letzten Spiel versemmle ich einen unnötigen Schuss bei Spielstand 11:1 für uns (bei 13 ist Schluß ). Punkt zwölf lag schon, meine Kugel war die Letzte. Ich hätte locker reinlegen können, weil der Gegner alle Kugeln zu lang gespielt hatte und vorne der Weg also frei war. Aber nein, ich will das Spiel spektakulär mit einem „Schuß für Schluß“ beenden, schieße daneben, treffe die Zielkugel und ziehe sie nach hinten zu den Gegnerkugeln. Fünf Punkte abgegeben. In der nächsten Aufnahme haben wir dann alles klargemacht, 13:6, aber es waren natürlich genau diese 5 Punkte, die uns zum Einzug ins C-Finale gefehlt haben. Das hätte 120 Euro schnöden Mammons bedeutet. So gab es gar nichts, weil auch auf Bouleturnieren die „soziale Marktwirtschaft“ bei der Verteilung des Reichtums am Werk ist.
der Dude – Ritter der Schwafelrunde