Talkin´ ´bout my generation - Volume One

Es gibt glaube ich keine Generation, über der so viele Generationenbegriffe ausgeschüttet worden sind, wie über meine: Generation Golf I+II, GenerationX, Generation89, Generation@, GenerationN, Generation9/11, GenerationPraktikum und jüngst: GenerationWeb2.0. Generationenbegriffe haben mittlerweile die Halbwertzeit eines Stuhlgangs und treffen zu wie Horoskope. Mich stört das nicht. Solange Verlage und Universitäten noch genug Geld haben, um Leute zu bezahlen, die sich Generationenbegriffe ausdenken, bitte schön. Was mich aber definitiv stört, ist, wenn von diesen Typen so getan wird, als handele es sich bei den jeweiligen Generationenbegriffen um „Selbstdefinitonen“ der Menschen, auf die die Begriffe angeblich zutreffen sollen. Das ist ganz großer Unsinn und tastet meine Würde an. Als Beispiel nehme ich mal Alex Rühles Artikel „Ritter der Schwafelrunde“ aus der Süddeutschen Zeitung. Dort geht es um das Bloggen als generationsstiftendes Ereignis. Rühle ist genervt von dem Hype und fragt – da hat er meine volle Unterstützung –: „Kann nicht mal jemand das heilshysterische Gerede von der im ´Web 2.0´ nun endgültig erreichten Graswurzeldemokratie abstellen?“ Problematisch ist aber der oben angedeutete Umstand, daß Rühle davon ausgeht, die Heilserwartungen kämen von den Bloggern selbst. Er schreibt: „Die Internetgemeinde aber redet vom Web 2.0 in Begriffen wie auf einem sozialpädagogischen Urchristenkonvent: Ehrlichkeit, Vertrauen, Authentizität.“ Bitte erinnert mich dran, mich entmündigen zu lassen, sobald ich etwas derartiges sage oder schreibe. Auch meine Recherchen in anderen Blogs führten zu keinem Niederschlag solcher Behauptungen. Und Rühle legt noch kräftig nach. Seine Kritik richtet sich vor allem an „den narzisstischen Glauben der Blogger, schon im Moment ihrer Blogeröffnung eine kritische politische Gegenöffentlichkeit zu sein“ sowie an „die implizite Behauptung, das Medium selbst sei Garant für bestechend unabhängige Qualität und ritterliches Tun“. Ja, Junge, wer behauptet denn sowas? Das bin doch nicht ich (ich scheue das Wort „wir“, weil ich mit vielen anderen Bloggern nicht in einem Atemzug genannt werden möchte). Das seid doch wohl IHR, die mir sowas in den Mund legen. Dementsprechend unwissenschaftlich fällt auch der empirische Teil des Beitrags aus: Als der amerikanische Medienwissenschaftler Aaron Delwiche untersuchte, was die wichtigsten Themen der Blogger sind, kam heraus, dass es - neben dem Irak-Krieg - nur die eigenen Blogs waren. Jeder schreibt selbstreferentiell vor sich hin. Von akkumulierendem Weltgeist ist selten etwas zu spüren.“ Das ist an Perfidität nun wirklich nicht zu überbieten: Erst unwahre Behauptungen aufstellen und dann die Unwahrheit der Behauptungen denen zum Vorwurf machen, die mit diesen Zuschreibungen nie was am Hut hatten. Wenn mir hier Selbstreferentialität vorgeworfen wird, kann ich das gar nicht als Kritik auffassen. Ich wollte nie was anderes. Das ist doch nur für Feuilletonisten ein Schimpfwort. Die scheinen mir aber selbstreferentieller als sie zugeben können. Sie sind es nämlich, die in ihrem Abgrenzungswahn ständig mit neuen Generationen um die Ecke kommen und dabei eigentlich nur Negativbilder zum eigenen Lebenslauf erzeugen. Mich beschleicht der Verdacht, daß das unser Zusammenleben nicht nach vorne bringt. Gibt schon genug Nervungen wie Krieg und Hungersnot und Tierquälerei und so, da brauch man doch nicht noch künstlich welche dazuerfinden. Von mir aus kann jeder machen was er will und sich so definieren, wie er will, wenn er andern damit nicht auf die Nerven geht. Ich meine, wir wissen doch alle, daß wir uns nicht eines Tages alle in den Armen liegen, goldene Glöckchen erklingen und tausende Schäfchen mit rosa Bändchen im Anus um uns rumtanzen. Da brauchen wir uns doch nicht wirklich mehr voneinander abgrenzen, als das ohnehin schon der Fall ist.

Weil aber der Begriff der „Generation“ mittlerweile derart aufgeweicht ist, daß fast jedes kollektiv wiederholte Tun als neue Generation beschrieben werden kann, leben wir anscheinend im „Multigenerationalismus“. Bei Google ergibt das Wort Null Treffer. Daher bin ich nun der Urheber des Begriffs: „Generation Multigenerationalismus“. Jeder kann sich also ein Portfolio an Tätigkeiten zusammenbasteln, von denen er meint, daß die anderen auch gefallen und schreibt vor jeden Begriff dann das Wort „Generation-...“. Ich mach mal den Anfang: Als Mann gehöre ich definitiv zur „Generation Badminton“, wohingegen ich als Frau wahrscheinlich der „Generation Wentworth Miller“ zuzurechnen wäre. Ich hoffe, wir gehören alle ein wenig der „Generation Würde des Menschen“ an und gehen uns weniger auf den Geist.

der dude – Ritter der Schwafelrunde

 

 

 

18.10.06 13:51

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Alexander / Website (14.11.06 19:13)
Nach einer neuen Studie gehören wir -sofern wir ein 3G-Mobiltelefon nutzen- zur 'Generation HERE'.
http://direct.motorola.com/hellomoto/whatisrazrspeed/index.html

Ist ja auch mal was schönes, einfach 'hier' zu sein.
Gefunden über das Buch "Wir nennen es Arbeit" (http://www.wirnennenesarbeit.de/)

;-))


Dude / Website (14.11.06 19:28)
jaja, dieser generationenblödsinn treibt immer krassere blüten. da können wir uns noch auf einiges gefasst machen, denke ich. das ende der fahnenstange ist noch nicht erreicht.

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