Geben ist seeliger denn nehmen

Es ist in der Tat so, dass ich mich auf die Freude der von mir Beschenkten mehr freue als auf das, was ich wohl auspacken werde. Ich kann wirklich nicht viel Gutes über mich sagen (I´m worse at what I do best), aber dieses eine schon: ich kann glaub ich ganz gut Geschenke machen, so personenmaßgeschneiderte und dennoch überraschende. Selbst die Antragsablehnerin, die aus Rache nur Praktisches und in einem Fall (fast gehässig) dann auch noch in Form eines Elektrogerätes (!) von mir bekommt, wird sich wohl freuen. Da meine Mutter völlig unerwartet total auf mein "Der kleine Hobbit"-Hörspiel abgegangen ist (Fantasy-Ablehnung wird von Altersinfantilisierung überwogen), kriegt sie von mir das Opus Magnum auf CD (WDR, 1992). Mein Lieblingsgeschenk geht in diesem Jahrt an meinen Vater. Die Wahl ist von chirurgischer Präzision und neben der Freude über den Einfall, dürfte das Geschenk auch die Weihnachtsmelancholie ein paar Wochen konservieren. Seit ich denken kann, geht mir im Spätherbst sein immergleicher Schrei durch Mark und Bein: "Duuuuuude, KRANICHE!!!" Vor kurzem sind meine Eltern sogar in den Osten gefahren, um die Rastplätze auf dem Zug gen Süden aus der Nähe zu betrachten. Weihnachtsmäßig kam mir dann entgegen, daß unlängst eine wirklich atemberaubende Publikation über diese Primaballerinen des Himmels erschienen ist. Ich habe ein wenig drin geblättert, und - wie ich bereits erwähnte -, es ist ein ziemlich melancholisches "Vergnügen", weil die meisten der Arten (wußte gar nicht, daß es mehrere gibt), wohl bald Geschichte sein werden. Die Vögel sind mehr oder minder der Beweis, daß das analoge Zusammenrücken der Staaten im Zuge der Globalisierung ein digital verbreiteter Mythos ist. Ein Schutz der Vögel entlang ihrer kompletten Zugroute scheint ein Ding der politischen Unmöglichkeiten unserer Zeit zu sein. Und es nützt halt einem Zugvogel, der treu an immer denselben Stellen rastet und nach Futter sucht, wenig, wenn man sich in Deutschland den Rastplätzen nicht näher als 300m nähern darf, während in Russland ähnliche Stellen planiert oder verseucht werden. Wenn er´s ausgelesen hat, werde ich es mir auch zu Gemüte führen. Ich liebe diese Viecher ebenfalls. Zum einen natürlich wegen der romantischen Vorstellung des Weitwegfliegens bei gleichzeitiger Standorttreue auf dieser Route. Dann auch, weil das Naturereignis, das mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist, eine "1" dieser Vögel war, die auch noch in völligem Gleichtakt mit den Flügeln geschlagen haben. Pina Bausch hätte das choreographisch sicher nicht besser bewerkstelligen können.

der Dude - Ritter der Schwafelrunde

12.12.07 15:32

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


tadday (17.12.07 14:07)
das kannst Du tatsächlich.
ich hab Ingo P. mal eben reinlesen lassen.
Er hat es so gefressen,und mir es mit leuchtenden
Augen dankend mit der Bitte es ihm auszuleihen,
wiedergegeben.
tadday


Dude / Website (17.12.07 17:25)
Danke. Das Kompliment muß ich in der Form zurückgeben, als daß es natürlich für den Geist desjenigen spricht, dem man mit einem Buch von 1929 überhaupt eine Freude machen kann.

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