Spanner-Geschichte

Wenn ich in Berlin bin, stöbere ich gern in den alten Photoalben im Zille-Hof. Das ist so eine Halle, wo man Zeugs aus Wohnungsauflösungen kaufen kann. In manchen Alben sind die Photos noch drin. Über Familien, die wenig photographiert haben, kann man anhand eines Albums, wenn man genau hinschaut, so einiges erfahren. Da quillt das Gesicht des Vaters immer mehr auf und auf einmal sitzt da bis zum Ende des Albums ein anderer Mann auf dem Sofa. Heftig! Beim letzten Mal war auch eine Zeugnismappe dabei. Ein Einserschüler mit jüdisch-klingendem Namen geht in den frühen 30er Jahren auf eine Schule, auf der Hebräisch unterrichtet wird. Dann wird die Schule umbenannt, es wird kein Hebräisch mehr unterrichtet und seine Noten reichen nicht für einen Abschluß. Gekauft habe ich dann ein Album, in dem eine Familie 1953 wahrscheinlich ihren ersten Urlaub nach dem Krieg macht. Wenn man die Bilder aus ihrem Albumzusammenhang löst und sie sich einzeln anschaut, dann sehen sie richtig künstlerisch aus, finde ich. Teilweise auch ein bißchen creepy - das mit dem hochgehobenen Rock hat echt Cover-Qualität. Ich liebe solche Sachen, an denen Geschichte klebt.



der Dude – Ritter der Schwafelrunde

18.6.07 14:02

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Michael / Website (18.6.07 14:36)
das is ja abgedreht. gibt da denn einer acht auf anonymisierung? oder werden die sachen vorher gesichtet?


Dude / Website (18.6.07 15:01)
also anonymisiert wird da offensichtlich gar nichts, wie man an den zeugnismappen sehen kann. mich wundert das auch ziemlich, dass die die photos in den alben drinlassen. die leute wollen ja auch eigentlich nur die leeren alben kaufen. zumindest nehme ich an, dass ich da einer der wenigen bin, der an den photos selbst interesse hat. krass finde ich auch, dass offenbar keinem angehörigen irgendwas an dieser familiengeschichte gelegen hat.

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