"Er hätte eine Peitsche genommen und sie ihm in die Fresse geschlagen." (Kinski über Jesus)

Ich hab vor ein paar Jahren einen Roman gelesen, der fängt damit an, daß der Erzähler von einem Reagenzglas voller Säure berichtet, daß er immer bei sich trägt und ganz gespannt ist, wem er es wohl mal ins Gesicht schütten wird. Ich bin mir ziemlich sicher, daß dieser geniale Anfang eine Aufarbeitung der Rauchentwöhnung des Autors ist. Ich möchte nämlich auch jedem, der mir nicht den Arsch küsst, sofort in die Fresse schlagen; und wer nervt, der wäre mit der Reagenzglasaktion noch gut bedient. Die Programmierer der Online-Bewerbung für den Vorbereitungsdienst an Schulen (SEVON) sollten sich besser von mir fernhalten, wenn sie von ihren Verwandten noch erkannt werden wollen. Und wo wir grad dabei sind: Warum kostet ein polizeiliches Führungszeugnis 13 Euro Gebühren, obwohl nur Daten von einer Behörde zu einer anderen übermittelt werden (kein Blatt Papier wird verschwendet, keine Bearbeitungszeit für Stempeleien und sowas in Anspruch genommen)? Warum kann man in der vielbeschworenen Netzwerkgesellschaft eine Geburtsurkunde nur postschriftlich beim Standesamt des Geburtsortes beantragen, wo doch die Führungszeugnisaktion unter Beweis stellt, daß es auch anders geht? Warum erfährt man erst am Ende der Online-Bewerbungsprozedur, daß man die Unterlagen (Zeugnisse usw.) innerhalb von sieben Tagen nach Antragsstellungsdatum einreichen muß? Ich brauche nicht zu erwähnen, daß diese Maßgabe mit der Beantragung meiner Geburtsurkunde unvereinbar ist. Ich würd jetzt gern ein bißchen vögeln. So reagiere ich momentan auf alles. Ist glaube ich Suchtverlagerung.


Der Drang rauszuwollen nimmt unendlich zu. Der Globetrotter-Katalog ist mein Porno-NumberOne zurzeit. Leider ist die Reise erst im nächsten Jahr möglich. Wenn´s nach mir geht: Mit dem Bus von Berlin nach Oslo (83 Euro) und von da mit Fahrrad samt Anhänger die Südfjorde abklappern. Zelten: wild, wegen billig und erlaubt. Ich fange jetzt schon an Ausrüstungsgegenstände zu kaufen, weil man sich das auf einen Schlag ja gar nicht leisten könnte. Dann breite ich diese Gegenstände vor mir aus, baue sie auseinander und wieder zusammen, bastle an ihnen rum (neue Schnüre und Leinenspanner ans Zelt etc.) und das ist dann so ein bißchen wie jetzt schon unterwegs. Eigentlich krank, daß man sich danach sehnt sich den ganzen Tag abzuquälen, um sich abends bei aufgewärmtem Konservenfraß in den Dreck setzen zu können. Das sollte man mal einem Spargelstecher erzählen. Find ich übrigens cool von den Polen, daß die jetzt die mindestlohnablehnenden deutschen Bauern im Regen stehen lassen, weil sie in England und Schottland das Doppelte verdienen. Jetzt jammern sie rum wie die Pastorentöchter, die Ausbeuterbauern, daß der Spargel schon Licht kriegt. Bauern kann ich eh nicht ab, die sind alle dumm, brutal, haben ein Wurstgesicht und glauben trotz ihrer eigenen Erscheinung an die Schöpfung. Vielleicht haben sie Recht und Gott war einfach ein Bauer wie sie. Könnte einiges erklären. Egal, sie regen mich doppelt auf, weil die Sache mit dem Reagenzglas zu keinen nennenswerten Veränderungen führen würde.


Gibt aber auch Erfreuliches zu berichten. Meine erste Veröffentlichung ist soeben erscheinen. Zwar nur ein Essay in einem Sammelband, den nur die Autoren selbst lesen werden. Aber erstens: fünf Minuten Popstarfeeling ist auch o.k. und zweitens: es gibt ne Erscheinungsparty (oder wie man das nennt). Da auch hochrangige Entscheidungsträger zugegen sein werden, rechne ich mit Koks und Nutten bis zum Abwinken. Falls ich mich irre, dann ist das der indirekte Beweis dafür, daß die Leute eigentlich doch nicht richtig was zu sagen haben.


der Dude – Ritter der Schwafelrunde

15.6.07 13:36

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


henzenmann / Website (15.6.07 17:50)
"Leude, ich bin kein grroßer Rredner..."


Antonia (12.7.07 10:25)
Les ich das richtig? Du willst ins Referendariat gehen? Na, dann viel Spaß.

A.

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