Unwissen schützt vor Strafe nicht

Ich grüble schon seit einigen Jahren über die Frage, wie unser Zusammenleben trotz der Tatsache halbwegs funktioniert, daß sich kaum jemand mal intensiver mit den Gesetzen befaßt hat, gegen die er im Alltag so verstoßen könnte. Ich meine nicht die schlimmen Sachen wie Mord oder, Gott bewahre, anderen mit dem Einkaufswagen in die Hacken fahren, sondern mehr so Grauzonengeschichten. Dann lese ich sowas und bekomme Angst. Wenn ich ein Bild von jemand anderem blogge, dann denke ich: "Pass auf, Alter. Ich verlinke in dem Beitrag deine Seite, dann haben wir beide was davon. Ich dein tolles Bild, und du den tollen Zusatztraffic." Diese Abmachung ist natürlich rein virtuell. Ich frage denjenigen nicht wirklich, sondern halte den Deal aus seiner Perspektive für so genial, daß ich sein Einverständnis einfach als gegeben annehmen muß. Wie man sieht kann einen diese Naivität schnell 884,81 Euro kosten. Jetzt mal ernsthaft: das ist doch nicht gerecht! Wenn das Gerechtigkeit ist, dann hätte der Staat, der dieses Recht spricht doch vorher in irgendeiner Weise dafür Sorge tragen müssen, daß seine Bürger bescheidwissen über die rechtliche Lage. An Rechtsunterricht kann ich mich in meiner nicht grad kurzen Bildungslaufbahn aber nicht erinnern. Klar, Urheberrechtsgeschichten sind heftig in den Medien, aber der Normaluser bezieht das doch eher auf Musik- und Filmdownloads. Da kann man sich nicht mehr naiv stellen, von wegen: hab ich nicht gewußt daß das illegal ist. Spielt ja auch eh keine Rolle, weil offensichtlich davon ausgegangen wird, daß jeder sich tiefgehend mit den rechtlichen Grundlagen seiner Handlungen vertraut gemacht hat.
Meine These, warum es zwischen uns doch noch halbwegs friedlich zugeht, ist, daß dafür nicht die Gesetze verantwortlich sind, sondern so eine Art Rechtsempfinden. Jeder weiß doch schon irgendwie was geht und was ein echtes Scheißverhalten ist. Man kann sich dann natürlich trotzdem wie ne Wildsau benehmen, muß dann aber im Falle des Widerspruchs von Zeitgenossen (und sei es nur im stillen Kämmerlien) zugeben, daß man nicht der Korrektesten einer war. Solche Fälle ereignen sich täglich millionenfach und kein Anwalt kann daran was verdienen. An sowas gewöhnt man sich als netter Mensch und denkt, wie im obigen Beispiel, daß mit der Verlinkung der Quelle und unkommerziellen Absichten alles in Butter wäre. Aber mit sozial ist nicht mehr, wenn die rechtsstaatlichen Mühlen ans laufen kommen; auch gute soziale Argumente kann man dann vergessen.
Ich wünsche mir so eine Art Bosman-Urteil, einen Präzendenzfall, bei dem rauskommt, daß Unwissen doch vor Strafe schützt, wenn feststeht, daß der Staat seiner Belehrungspflicht (gibt´s die?) nicht nachgekommen ist. Bis dahin werd ich erstmal alle Bilder löschen, die sich hier angesammelt haben. Weil multipliziert mit 884,81 Euro ...
Ganz nebenbei halte ich so Leute, wie diese Photographin für ganz üble Verpester unserer Soziokultur. Nur weil man an irgendwas das Recht hat muß man doch nicht jeden armen Blogger verklagen. Wenn die BILD-Zeitung ihr Photo unerlaubt abgedruckt hätte, gut. Aber so einem Idealisten das Geld rauszusaugen. Ekelhaft!
 
der Dude - Ritter der Schwafelrunde

29.5.07 22:14

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


hotel.besitzerin / Website (5.6.07 13:31)
krass Oo
so viel geld für so ne "kleine" tat...

man hatte halt die auswahl zwischen 3 themen.
bei der textanalyse war mir der text zu schwer und bezog sich auf erziehungswissenschaften, wovon ich ja eh keine ahnung hab.
erörterung bezog sich zwar auf werbekram an schulen, was meinen schwerpunkt (gestaltung im weitesten sinne) wiedergegeben hätte, bringt mir aber auch nichts weil ich irgendwie nicht erörtern kann.
naja und dann blieb nur noch die kurzgeschichte. ausländervorurteile und bla. naja und kurzgeschichten analysieren ist auch nicht so mein ding. aber aufm zeugnis steht dann ja trotzdem die 3.

aber danke für's "kompliment" :D


aikachen / Website (15.6.07 16:00)
Einen schönen guten Morgen!
Ehrlich gesagt, mich regt es eher auf, wie viele Leute es immer noch nicht begriffen haben, dass bei Bildern im Internet NICHT einfach Selbstbedienung herrscht. Ich hab damit eher im zeichnerischen als fotografischen Bereich zu tun, wo ich es sogar noch mieser finde, weil das Foto hätte jeder andere mit ner Kamera auch machen können ...
Ich weiß nicht, ob man das Gefühl, 'beklaut' worden zu sein, nachvollziehen kann, wenn man nicht selber zeichnet etc. Sicher, mit Quelle oder Link (oder besser beidem) mag man sich das ja gefallen lassen, aber ohne diese sieht es meistens aus, als wäre das Bild geistiges Eigentum des Finders, und da kommt man sich als eigentlicher Urheber einfach mal verarscht vor.
Gut, so ne Riesenabmahnung ist vielleicht auch übertrieben, aber sich hinzustellen und zu sagen 'das hab ich nicht gewusst!' - da schlägt mir der Kopf auf die Schreibtischplatte, wenn man nicht in der Lage ist, von Urheberrecht eine Verbindung zu so popeligen Sachen wie (auch nichtkommerziellen) Bildern, die irgend jemand anderes gemacht hat, herzustellen.

Übrigens, bei uns an der Schule wird von der 9. bis 12./13. Klasse Rechtskundeunterricht als Wahlpflichtfach angeboten. (an dem ich nicht teilgenommen habe und trotzdem weiß ich das) Allerdings weiß ich nicht genau, wie intensiv Urheberrecht da behandelt wird.


mario (18.6.07 10:13)
unsere fachschaft wurde auf 360,- € verklagt, weil wir auf unserer homepage ein photo von niklas luhmann gepostet hatten. wohlgemerkt gehören wir der fakultät für soziologie an und wollten so den urvater der bielefelder schule ehren - so nannten wir die kategorie auch "in gedenken an...".
das photo hatten wir gegoogelt, was leider der fehler war, denn die rechte an dem potrait besitzt eine firma aus bielefeld. war übrigens eher ein scheiß photo...

ist das gerecht?

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