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Dicker


 

Mein geliebter Kater ist tot.

 

4 Kommentare 8.12.06 09:28, kommentieren

 


 

5 Kommentare 11.12.06 21:58, kommentieren

Unlistenable Songs

Steh auf, Trinity!


Mario und Bianca haben vor kurzem ein außergewöhnliches Konzert organisiert und mir einen der schönsten Ausgeh-Abende dieses Jahres geschenkt. Sie haben (privat finanziert!) Daniel Kahn und Geoff Berner hier in die Provinz geholt. Bianca hatte Geoff Berner in Oslo im Vorprogramm des "Kaizers Orchestra" gesehen und ich glaub dann nochmal solo mit Dan Kahn als Support. Vielleicht hat die Ankündigung der beiden als „Klezmer“-Musiker bei vielen Daheimgebliebenen Schwermutvermutungen erzeugt. Der Abend war jedenfalls ein ebenso intimes wie exklusives Erlebnis.



Daniel Kahn hat den Abend eröffnet. Er fasziniert allein schon durch seine Erscheinung. Der wilde Bart, der stechende Vincent Gallo-Blick, dazu ein merkwürdigerweise sehr schüchterner Gesichtsausdruck, der auch nicht zu dem etwas grobschlächtig wirkenden Zimmermann-auf-Wanderschaft-mäßigen Anzug passte. Er spielt mit unheimlich viel Sex, stampft wild, schreit, erstarrt, wispert und entlockt seinem Akkordeon dessen gesamte orchestrale Dynamik, von nahezu unhörbaren Tonfädchen (leiser als das Tastengeklapper) bis ach was weiß denn ich wie laut. Formal überall und irgendwo zwischen Tom Waits, Jack White und Leonard Cohen reicht sein Repertoire von Klezmer-Traditionals über Brecht-/Weil-Lieder bis zu grandiosen Singer-Songwriter-Eigenkompositionen. Gut war, dass er die Songs mit jiddischem Text thematisch vorgestellt hat. Trotz der deutschen Vokabel-Intarsien habe ich denen inhaltlich kaum folgen können. Normalerweise stehe ich überhaupt nicht auf das Gelaber zwischen den Liedern. Aber Kahn hat das derart brilliant und emotional gemacht, daß die Songs einem dadurch nochmal nähergingen. Ich erinnere mich z.B. heute nach einer Woche noch an folgende Ankündigung: „The next song was written nearly a hundred years ago. It ist called „The Sinking of the Titanic“. I altered the titel to „The Sinking of New Orleans“, the city I used to live in, which sank as well and from where a lot of musicians found the way to this bar, as I noticed in the backstage room ...“ Bei diesem Track mußte man dann schon die Zähne zusammenbeißen, um nicht selbst in der eigenen Tränenflut zu ertrinken. Eine andere Ansage ging etwa so: "When I was six years old I fell in love with a girl. So I went to my mother´s room and took a ring of hers which I gave to the girl as a present. She threw it in the garbage. I think of her every day. Maybe I meet her backstage tonight." Sein letzter Song war ein Mitsinglied, irgendwas mit „Poor Edward“ oder so. Die erste unpeinliche Publikumsanimation meiner Konzertgängerkarriere.



Geoff Berner war dann, trotz der gleichen Instrumentierung, ein heftiges Kontrastprogramm. Zunächst optisch: Ein kleines, hänflinghaftes, schmallippiges, blasses, leises Männchen, das fortwährend milliliterweise an einer Kaffeetasse nippt (daß da Whiskey drin war wurde mir erst später zugetragen). Sein Akkordeon war ein ganz kleines, und es diente auch mehr der immer gleichleisen Untermalung, stand nicht so im Vordergrund wie meist bei Kahn. Seine Stimme ist keine schöne; oft nur ein melodisches Sprechen, ganz manchmal auch ein Krächzen („I´m a Goddam Lucky Jew“ ). Das macht aber gar nichts, im Gegenteil, weil bei ihm das Rüberkommen und die Verständlichkeit der Lyrics im Vordergund steht. Von den teilweise sehr osteuropäisch klingenden Klezmer-Einflüssen war bei ihm – im Gegensatz zu Kahn – nichts zu spüren. Man fühlte sich eher an die klassisch-melancholische Schule der gitarristischen Songwriter-Tradition erinnert (Cohen, Drake, Dylan). Nichtsdestotrotz ging das genauso unter die Haut wie Kahns vorherige Darstellung. Nur ein Beispiel: „I devoted my life to songs. A song can be so powerful. It can save your life and it can ruin your life. The next song I like to play is so beautiful, you never wanna hear it again. It ist called „The unlistenable song“.“ Damit hatte er keines falls übertrieben. Zumindest in meiner jetzigen Verfassung möchte ich mir diese traurig-schöne Popperle nicht zumuten.

 

The Unlistenable Song


Thank you for sending me your new recording,

It was so kind of you to think of me.
Not a single track is boring,

It´s executed perfectly.
There´s just one song I would forget if I could.
I guess that you could say it´s just a little too good.
I have to skip it. I just can´t listen.
I just can´t listen to that song.


First time I heard it, I remember, I was driving
From somewhere to somewhere else.
Had to pull over because I just started crying,
As if I couldn´t help myself.
As if something that I thought was over and done
Was something that I´ll never really quite recover from.
I have to skip it. I just can´t listen.
I just can´t listen to that song.


That song reminds me of someone I used to know.
She needed help and protection,
And that´s about as far on that subject as I like to go.
So be sure to tell me when you´re coming through town next.
I´ll try to make it out. Maybe we could have a drink after soundcheck.
There´s lots we could chat about.
And with your setlist, don´t change a thing,
Just give a little warning before you begin.
I have to skip it. I just can´t listen.

I just can´t listen to that song.


Danke nochmal an Bianca und Mario. Ich kenne keinen, der sich für das Wohl der anderen so ins Zeug legt. Wenn ich mal zu Geld komme, dann teilt mir einfach mit, wieviel Minus ihr gemacht habt. Ich zahl das dann.

der Dude – Ritter der Schwafelrunde

5 Kommentare 13.12.06 14:20, kommentieren

Rauchen ist cool

 

 

 

Wirklich geschafft hat man´s, wenn man im Fernsehen ketterauchen darf. So gesehen auf N3 bei einer Wiederholung von „Beckmann“ (*kotz* Ich liebe Willemsen für seinen Kommentar zur Wahl Beckmanns als „Medienmann des Jahres 2004“: „Das ist die Inthronisierung des Nichts.“ ) Zu Gast hatte er den 88-jährigen Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt. Und der hat die ganze Zeit in einer Tour geraucht. Daran hat man auch gemerkt, daß die Sendung aus zig Einzelteilen zusammenzugeschustert ist, weil sich Schmidt in zwei aufeinanderfolgenden Fragen jeweils ne neue Zigarette angesteckt hat. Ich habe eingeschaltet, als Beckmann grad fragte: „Als sie in China waren mußten sie doch bestimmt mit Stäbchen essen. Können sie das denn?“ Schmidt greift langsam zur Schachtel, fingert sehr galant einhändig eine Zigarette heraus, führt nach dem Ergreifen des Feuerzeugs mit derselben Hand diese in Zeitlupe zum Mund, setzt die Zigarette genau an die richtige Stelle (nicht zu mittig = weiblicher Gelegenheitsraucher und nicht zu seitlich = zu stark betonte Lässigkeit), zündet die Zigarette an ohne zu schielen, lässt sich während des Ziehens nach hinten in den Sessel sinken, neigt den Kopf ein wenig nach oben, blickt dem ruhig ausgeatmeten Rauch etwas verträumt nach, senkt den Kopf wieder, kneift die Augen ein wenig zusammen, ein kurzer stechender Blick zu Beckmann und sagt langsam mit einer leisen tiefen Raucherstimme: „Ja.“ So ging das die ganze Zeit. Beckmann hat das natürlich durch den Stress von an Dämlichkeit nicht zu überbietende Fragen gefördert. Aber auch dadurch, daß er andauernd dem Kaffee mit Milch und Zucker-trinkenden Schmidt untergebenst Kaffee nachgeschenkt und so die Kaffee-Milch-Zucker-Mischung kaputtgemacht hat. Ich nehme mal an, daß Schmidt gar nicht gekommen wäre, wenn er nicht hätte rauchen dürfen. Daß aber Beckmann nur rauchend zu ertragen ist, kann man an folgendem Dialog ganz gut sehen. Beckmann fragt was. Schmidt antwortet: „Das ist eine sehr komplexe Thematik und bietet Stoff für drei Stunden Sendung“ Beckmann sagt: „Also wir haben Zeit. Haben sie denn noch genug ´Stoff´“ Schmidt schielt auf seine Schachtel: „Ich hab nur noch zwei Zigaretten. Dann müssen wir spätestens aufhören“

Dann kommen sie aufs Schachspielen zu sprechen. Beckmann stichelt rum und will von Streits hören, die Helmut Schmidt mit seiner Frau Loki hatte, nachdem er eine Partie gegen sie gewonnen hat. Schnitt auf eine MAZ aus dem Hause Schmidt. Rück-Zoom vom Schachbrett auf ihn und seine Frau. Beide am Rauchen. Und sei das der Coolness noch nicht genug, er im Smoking, Kragenhemdhemdknöpfe offen, Krawatte zur Seite, etwas zersaustes Haar, in den Sessel geflezt mit einem bösartigen Blick zu ihr. Sie gibt auf, macht einen Spruch und er verfällt in herzliches Rauchergelächter.

Überzeugende Anti-Rauchen-Kampagnen müßten meines Erachtens neben diesem selbsterklärenden Gesundheitszeug zwei Argumente beinhalten. Zum einen müßten sie mir schlüssig beweisen, warum Frauen, die nachdem sie ihre Haare über die Schulter geworfen haben den Rauch aus dem Mundwinkel schräg nach oben blasen nicht sexy sind. Zum anderen müßte mir in gleicher Plausibilität die Uncoolness des rauchenden Helmut Schmidt aufgezeigt werden.


der Dude – Ritter der Schwafelrunde

8 Kommentare 13.12.06 15:21, kommentieren