Obama, Tosca und die Medienhure

„Mit Tosca kam die Zärtlichkeit“, mit Obama ging sie wieder. So durfte ich beobachten, wie der Tosca-Flakon einer Normalo-Omi von den Sicherheitskräften in die auch sonst ziemlich überraschend bestückte Mülltonne entsorgt wurde. So radikalisiert man selbst Leute, die bisher nur über Backpulver diskutiert haben. Weiter ging´s mit sporadischen Selektionen hinter dem eigentlichen Abtast- und Taschendurchsuchwahnsinn. Es wurde befragt; man schrieb sich das auch auf. Ein Typ mit einem „Stop Death Penalty“-Pappschild wurde von privaten (!) Sicherheitsleuten unter den Augen deutscher Gesetzeshüter abgeführt. „Hätte man ihm nicht einfach das Plakat abnehmen können?“, hab ich gedacht und mich dann doch erinnert, wo wir eigentlich leben. „These now are walls we must tear down, Mr. Obama.“ Der Völkerverständigung tat das keinen Abbruch. Amerikaner fragten das Berliner Jungvolk, wie eigentlich „Mayor Wowereit“ so drauf sei. Da muss man nun wirklich nicht viel fremdländische Worte machen: „He´s a media whore!“ In Anbetracht dieser ganzen Obama-Wahlkampf-Operette hätte man aber tiefer stapeln müssen, weil sich „Medienhure“ so schlecht noch steigern lässt. Dann auch noch selbst zur TV-Schlampe geworden: Sich vom japanischen TV interviewen lassen, es toll finden und sich ärgern, dass man die piepsstimmige Synchronisation seiner selbst nie wird hören können.

Demnächst hier: Bericht über Kurt Becks „New York-Speech“ an der Freiheitsstatue


der Dude – Ritter der Schwafelrunde

3 Kommentare 29.7.08 10:58, kommentieren

teacher killed the video star

Im IMDB-Board zum Film „Network“ (1976) hinterließ jemand den Kommentar: „Most boring movie I´ve ever seen. I hated it. I had to watch it in school.“ Darauf fielen in sehr erwartbarer Art und Weise die Fans des besagten Films über ihn her. Variationen von sowas: „Sorry your teacher bored you so much. How CRUEL! This sadistic individual had the AUDACITY to try and expose you and your largely brain-dead classmates to an acknowledged classic that has been admired by FAR more intelligent people than you for over 30 years. He/she was probably trying in vain to stimulate an intelligent discussion about the power of mass-media, multinational corporations, and the history associated with each. How DARE a teacher attempt such ridiculous feats! There is a slim chance that you will graduate from public school some day, grow up, gain a little more insight, and give this film another chance.“ Das kann ich voll unterschreiben. Allerdings nur, wenn man den ganzen Zynismus rausstreicht (der mich doch ziemlich an den einiger meiner Lehrer erinnert). Z.B. ist der Hinweis auf die „geringe Chance“ im letzten Satz richtig. Nur nicht in dem Sinne, weil der vom Film gelangweilte Typ zu dämlich ist, sondern weil es wirklich sehr unwahrscheinlich ist, dass man Dinge, zu deren Konsum man gezwungen wurde, irgendwann doch noch wertschätzen lernt. Es ist nicht ausgeschlossen; aber doch eher TROTZ anstatt AUFGRUND der schulischen Beschäftigung damit. Die dem Lehrer unterstellte Absicht, den Film als Einstieg in einen kritischen Mediendiskurs zu nutzen, in allen Ehren; spannender jedenfalls als ein langweiliger Vortrag oder Sachtext. Die Hoffnung aber, dass die Schüler ihr Herz an diesen verordneten Unterrichtsgegenstand verlieren, ist eine pädagogische Träumerei sondergleichen. Und die kann sich schnell zur Wahnvorstellung steigern und in dem Zynismus enden, den manche Lehrer und der „Network“-Fan oben einsetzen, um anderen Menschen das Leben zur Hölle zu machen. Sowenig man nämlich gezwungen werden kann, eine Person zu lieben, sowenig scheint es mir einleuchtend, Begeisterung zu erwarten, wenn in einer Zwangsanstalt Texte/Filme gelesen/angeschaut werden. Die aknn sich nur unter den anarchischen Bedingungen der Freiwilligkeit entwickeln. Allein der HINWEIS meines damaligen Englischlehrers (Riesenarschloch vor dem Herrn) auf die geniale Kamerafahrt am Anfang von Welles´ „Touch of Evil“ (1958) hat dazu geführt, dass ich diesen Film bisher gemieden habe, wie der Teufel das Weihwasser, obwohl an dem Streifen für einen Filmfan eigentlich kein Weg vorbei führt. Von den zwangsgelesenen Texten ganz zu schweigen. Es gibt ein Essay von Hans Magnus Enzensberger mit dem Titel „Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie“, den ich am liebsten der versammelten Schar meiner Ex-Lehrer unters Kopfkissen legen möchte. Er beginnt mit einem zähen Rumpsteak. Die Metzgerstochter hatte die Interpretation eines Enzensberger-Gedichts versiebt. Es geht weiter mit schriftlich an ihn gewandten Hilferufen von Schülern bzgl. der Deutung seiner Zeilen (Klausurkopien samt Lehrerurteil anbei), um sich dann auf die Frage zu konzentrieren, wie man eigentlich harmlose Texte/Filme zu wirkungsvollen Folterinstrumenten umfunktionieren kann. Ich nehme die Antwort vorweg: Indem man sie in die Aktentasche eines Lehrers steckt! „Der Lehrkörper, der in diesen Zeugnissen in Erscheinung tritt, ist keineswegs homogen; seine Methoden reichen von der subtilen Einschüchterung bis zur offenen Brutalität, seine Motivationen von reinstem Wohlwollen bis zum schieren Sadismus. All dieser Nuancen ungeachtet, macht jener Lehrkörper doch im ganzen den Eindruck einer kriminellen Vereinigung, die sich mit unsittlichen Handlungen an Abhängigen und Minderjährigen vergeht, wobei es gelegentlich zu Fällen von offensichtlicher Kindesmißhandlung kommen kann. Als Tatwaffe dient jedesmal ein Gegenstand, dessen an und für sich harmlose Natur ich bereits dargelegt habe: das Gedicht. Wie aber kann aus einem so fragilen Objekt ein gemeingefährliches Angriffswerkzeug werden? Dazu sind besondere Vorkehrungen nötig. Wer von uns ist sich schon der Tatsache bewußt, daß er mit seinen Handkanten, diesen unscheinbaren und kaum benutzbaren Außenseiten, Mord und Totschlag begehen könnte? Dazu bedarf es allerdings einer ausgebildeten Technik. Sie heißt Karate, und an jeder dritten Straßenecke gibt es in Deutschland eine Schule, wo man sie erlernen kann. Die analoge Fertigkeit, die es erlaubt, aus einem Gedicht eine Keule zu machen, nennt man Interpretation. An dieser Wahnvorstellung der Interpretation wird mit unbegreiflicher Hartnäckigkeit festgehalten, obwohl ihre logische Inkonsistenz und ihre empirische Unhaltbarkeit auf der Hand liegen. Wenn zehn Leute einen literarischen Text lesen, kommt es zu zehn verschiedenen Lektüren. Das weiß doch jeder. In den Akt des Lesens gehen zahllose Faktoren ein, die vollkommen unkontrollierbar sind: die soziale und psychische Geschichte des Lesers, seine Erwartungen und Interessen, seine augenblickliche Verfassung, die Situation, in der er liest - Faktoren, die nicht nur absolut legitim und daher ernst zu nehmen, sondern die überhaupt die Voraussetzung dafür sind, daß so etwas wie Lektüre zustande kommen kann. Das Resultat ist mithin durch den Text nicht determiniert und nicht determinierbar. Der Leser hat in diesem Sinn immer recht, und es kann ihm niemand die Freiheit nehmen, von einem Text Gebrauch zu machen, der ihm paßt. Zu dieser Freiheit gehört es, hin- und herzublättern, ganze Passagen zu überspringen, Sätze gegen den Strich zu lesen, sie mißzuverstehen, sie umzumodeln, sie fortzuspinnen und auszuschmücken mit allen möglichen Assoziationen, Schlüsse aus dem Text zu ziehen, von denen der Text nichts weiß, sich über ihn zu ärgern, sich über ihn zu freuen, ihn zu vergessen, ihn zu plagiieren und das Buch, worin er steht, zu einem beliebigen Zeitpunkt in die Ecke zu werfen. Die Lektüre ist ein anarchischer Akt. Die Interpretation, besonders die einzige richtige, ist dazu da, diesen Akt zu vereiteln.“ (Enzensberger, Hans Magnus: Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie (1976). In: Ders. Mittelmaß und Wahn. Frankfurt a.M. 1988., S. 23 ff.)


Eine neue Schulkultur oder ein Kulturverbot für Lehrer; das scheinen mir die Alternativen zu sein, wenn man die Hoffnung auf persönliche Effekte der Texte/Filme nicht begraben will.


der Dude – Ritter der Schwafelrunde

3 Kommentare 29.1.08 08:44, kommentieren

Birdie num num!

Nein, das hat ausnahmsweise nichts mit Enten zu tun, sondern mit einer der wenigen Slapstick-Komödien, die ich gelten lasse! Hinwendung zur Komik durch nachlassenden Psychodruck. Ist klar. Eine Woche darf ich mir das gönnen. Dann geht´s ins Referendariat und ich sehe mich im ersten Unterrichtsbesuch unfreiwillig den Sellers geben. "Oh, if I´d only seen that the joke was on me."

Howdie Partener!
der Dude - Ritter der Schwafelrunde

1 Kommentar 26.1.08 10:11, kommentieren

Basic Instincts

Einer meiner Lieblingssfilmsprüche ist ja bekanntlich: "Sie hat dir mit ihrer magna cum laude-Pussy das Gehirn frittiert!" Mir wurde nun vom Zweitgutachter attestiert, daß ich schriftlich in der Lage sei, die Gehirne der Damenwelt sogar summa cum laude zu garen. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob ich auch mit meinen oralen Künsten zu befriedigen weiß. Nach der Verkündigung vor der Institutstür den Fuß in die Luft gesetzt, und sie trug. Das spontane Verlangen, mich belohnen zu müssen. Mit 70 Cent in der Tasche nicht die leichteste Übung. Naja, dann eben nur ein Schinken-Käse-Croissant am Bahnhof. Leider zu teuer. Sodann, obwohl mir das gar nicht schmeckt, das preislich alternativlose Laugenbrötchen gewählt. Und dann war auch noch nur ganz wenig Salz drauf.
der Dude - Ritter der Schwafelrunde

1 Kommentar 23.1.08 07:59, kommentieren

..., was nicht heißen soll, daß ich mich nicht auch über tolle Geschenke freuen kann.

Es gibt nicht viel Schöneres, als unerwartet ein Postpaket zu erhalten und darin ein absolut geniales Geschenk zu finden. Jüngst geschehen in Form eines Sopranos-Kochbuchs. Zwar kann ich mittlerweile die Dialoge komplett mitsprechen, allerdings habe ich mich schon immer gefragt, was sich hinter diesen ominösen Begriffen wie Arancini, Biscotti, Manicotti, Ziti etc. eigentlich kulinarisch verbirgt. Jetzt weiß ich´s, und bisher war alles, was ich ausprobiert habe, von ausgesuchter Köstlichkeit. Man sollte nur noch Gerichte essen, die auf einem Vokal enden. Ich meine, auf die Idee, Crêpes mit Ricotta zu füllen, zusammengerollt in einer Auflaufform zu stapeln und in Tomatensauce mit Käse zu überbacken (Manicotti), da muß man erstmal kommen. Fast alle Rezepte sind derart simpel bei gleichzeitig maximalem Geschmackserlebnis. God save the Schilddrüsenüberfunktion!

der Dude – Ritter der Schwafelrunde

6 Kommentare 17.12.07 10:53, kommentieren

Geben ist seeliger denn nehmen

Es ist in der Tat so, dass ich mich auf die Freude der von mir Beschenkten mehr freue als auf das, was ich wohl auspacken werde. Ich kann wirklich nicht viel Gutes über mich sagen (I´m worse at what I do best), aber dieses eine schon: ich kann glaub ich ganz gut Geschenke machen, so personenmaßgeschneiderte und dennoch überraschende. Selbst die Antragsablehnerin, die aus Rache nur Praktisches und in einem Fall (fast gehässig) dann auch noch in Form eines Elektrogerätes (!) von mir bekommt, wird sich wohl freuen. Da meine Mutter völlig unerwartet total auf mein "Der kleine Hobbit"-Hörspiel abgegangen ist (Fantasy-Ablehnung wird von Altersinfantilisierung überwogen), kriegt sie von mir das Opus Magnum auf CD (WDR, 1992). Mein Lieblingsgeschenk geht in diesem Jahrt an meinen Vater. Die Wahl ist von chirurgischer Präzision und neben der Freude über den Einfall, dürfte das Geschenk auch die Weihnachtsmelancholie ein paar Wochen konservieren. Seit ich denken kann, geht mir im Spätherbst sein immergleicher Schrei durch Mark und Bein: "Duuuuuude, KRANICHE!!!" Vor kurzem sind meine Eltern sogar in den Osten gefahren, um die Rastplätze auf dem Zug gen Süden aus der Nähe zu betrachten. Weihnachtsmäßig kam mir dann entgegen, daß unlängst eine wirklich atemberaubende Publikation über diese Primaballerinen des Himmels erschienen ist. Ich habe ein wenig drin geblättert, und - wie ich bereits erwähnte -, es ist ein ziemlich melancholisches "Vergnügen", weil die meisten der Arten (wußte gar nicht, daß es mehrere gibt), wohl bald Geschichte sein werden. Die Vögel sind mehr oder minder der Beweis, daß das analoge Zusammenrücken der Staaten im Zuge der Globalisierung ein digital verbreiteter Mythos ist. Ein Schutz der Vögel entlang ihrer kompletten Zugroute scheint ein Ding der politischen Unmöglichkeiten unserer Zeit zu sein. Und es nützt halt einem Zugvogel, der treu an immer denselben Stellen rastet und nach Futter sucht, wenig, wenn man sich in Deutschland den Rastplätzen nicht näher als 300m nähern darf, während in Russland ähnliche Stellen planiert oder verseucht werden. Wenn er´s ausgelesen hat, werde ich es mir auch zu Gemüte führen. Ich liebe diese Viecher ebenfalls. Zum einen natürlich wegen der romantischen Vorstellung des Weitwegfliegens bei gleichzeitiger Standorttreue auf dieser Route. Dann auch, weil das Naturereignis, das mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist, eine "1" dieser Vögel war, die auch noch in völligem Gleichtakt mit den Flügeln geschlagen haben. Pina Bausch hätte das choreographisch sicher nicht besser bewerkstelligen können.

der Dude - Ritter der Schwafelrunde

3 Kommentare 12.12.07 15:32, kommentieren

AbonnENTENfilter

Ich mußte feststellen, daß pro gebloggtem Enteneintrag 1,5 Abonnenten abspringen. Da ist man ja förmlich gezwungen nachzulegen.
 
 
 
der Dude - Ritter der Schwafelrunde

1 Kommentar 11.12.07 20:47, kommentieren

Von neureichen Kaffeejunkern und wirklich vornehmen Menschen

Wegen der Angstattacken meiner Mandarinenten habe ich nun zusätzlich ein Paar Brautenten angeschafft. Sie sollen zutraulicher sein, und ich dachte, vielleicht zeigen sie ihren neurotischen Artverwandten, dass alles nur halb so schlimm ist. Nachdem ich das frisch ausgesetzte Brautentenpärchen ein paar Stunden beobachtet hatte, war mir völlig egal, ob sie diesen Zweck in Zukunft auch wirklich erfüllen würden. Sie sind optisch und vom Verhalten zueinander von einem wirklich unbeschreiblichen Liebreiz. Brehm schreibt: „Mit der schönen Gestalt und dem prachtvollen Kleide der Brautente steht ihr anmuthiges Betragen im Einklange. Sie vereinigt alle Eigenschaften in sich, welche einem Schwimmvogel unsere wohlwollende Zuneigung erwerben kann. (...) Ihre volle Schönheit, Anmuth und Liebenswürdigkeit zeigt sie vor und während der Paarungszeit. (...) Auf dem Wasser dann entfaltet das verliebte Männchen seine Verführungskünste dem Weibchen gegenüber, hier brüstet es sich in stolzer Haltung mit hoch empor erhobenem Haupte, hier versucht es durch zierliches Nicken und Wenden des Kopfes das Herz seiner Schönen zu rühren. Hat das Paar sich einmal geeinigt, so sieht man beide stets dicht nebeneinander dahinschwimmen, sich dann und wann gegenseitig mit dem Schnabel liebkosen, das Männchen ab und zu vor lauter Vergnügen vom Wasser sich erheben, mit den Flügeln schlagen und unter zartem Geschrei Haupt und Hals bewegen.“ (Brehm, A. E.: Illustrirtes Thierleben. Bd. 4. Hildburghausen 1867, S. 826 f.) Der Brehm hat schon recht, dass beim Mandarinerpel die Farben etwas dick aufgetragen wirken gegenüber der Brautente. So übertrieben wie er das sieht, kommt das in natura aber nicht rüber. Er schreibt: „Wenn man die Brautente neben der Mandarinente sieht, will letztere einem vorkommen wie ein reich gewordener Kaffeejunker neben einem wirklich vornehmen Menschen. (...) Die Brautente ist geschmückt, die Mandarinente sozusagen überschmückt.“ (Brehm (1867), a.a.O., S. 829.) Meine Beobachtungen sprechen dafür, dass die beschriebene „Einigung“ bei den Brautenten kurz bevorstehen muss. Die Beiden sind jedenfalls schon jetzt unzertrennlich; präziser gesprochen: die Ente folgt dem Erpel auf Tuchfühlung überall hin. Wenn sie mal einen Moment nicht aufgepasst hat und er ein paar Meter weggepaddelt ist, dann gibt sie richtig Gas um wieder in sein Kielwasser zu gelangen. Harald Schmidt würde jetzt wahrscheinlich seufzen, dass bei den Enten die Geschlechterrollenverteilung noch in Ordnung wäre. Ich habe sie „Punky“ (wegen ihrer strubbeligen Kopffedern) und ihn „Woody“ (wegen Brautente = Wood Duck) getauft.


Es ist kaum zu glauben, aber seitdem Punky und Woody den Teich beehren, verhalten sich meine sechs Mandarinchen um einiges ruhiger. Sie sind sogar (o.k., nach abgebrochenen Versuchen) an mir, der ich an der Feuerstelle saß, vorbeigeschwommen. Hier ist der Teich am schmalsten und ich war sehr stolz; außerdem habe ich mich noch nie zwanzig Minuten lang so wenig bewegt, und so flach geatmet. Die beiden Brautenten sind sofort schnurstraks an mir vorbeigeschwommen, mit einer Mandarinente im Schlepp. Als sie gemerkt haben, dass der Rest Schiss hatte, sind sie zurück und haben´s nochmal versucht. Beim sechsten Mal waren dann alle drüben. Noch ist es aber nicht ausgestanden. Als sie an dem Ufer gelandet haben, wo der Futterautomat steht, hat eine wieder wegen irgendwas zuviel gekriegt und alle sind den Damm in die verkehrte Richtung entlanggelaufen.

 

Brautenten: zwei Erpel, zweieinhalb Enten (ich liebe "ihre" Frisur und den weißen Rundum-Lidstrich; bei den Erpeln wirkt das rote Auge etwas böse, aber das sieht man ja eh nie von so nah)

Foto: Robert Lawton; Creative Commons License Attribution ShareAlike 2.5


Brautenten-Erpel


Foto: wikicommons-User „BS Thurner Hof“; GNU Free Documentation License


Mandarinentenpärchen:

Foto: Nevit Dilmen; GNU Free Documentation License


Mandarin-Erpel:

Foto: Martin Roell; Creative Commons License; Permission: CC-BY-SA-2.0-de


der Dude – Ritter der Schwafelrunde

1 Kommentar 10.12.07 19:11, kommentieren

Wie Enten hausen

Wer sich bei der ersten Sopranos-Folge gefragt hat, was für ein labiler Typ Tony sein muss, daß er in Ohnmacht fällt, weil die Enten, die es sich auf seinem Pool gemütlich gemacht hatten, sich gen Süden verabschiedet hatten, der ist selbst noch nicht in den emotional sehr dynamischen Genuß der Entenhaltung gekommen. Ach diese Enten! Es handelt sich um sechs weiße Mandarinenten, die den gepachteten Teich (60x40m) natürlich sehr apart veredeln, wenn sie ihn im Gruppetto so elegant kreuzen. Sie sehen aus wie weiße Täubchen oder Minimöwen. Gab es da nichtmal diesen Song von Hans Hartz: „Die weißen Tauben sind Möwen“? Egal. Daß man sich dem Schutz dieser an Liebreiz kaum zu übertreffenden Geschöpfe verpflichtet fühlt, ist klar. Daß man aber des Nachts nicht mehr ruhig schlafen kann, weil man in ständiger Sorge um die Enten lebt, dazu trägt ihre mit Worten gar nicht zu beschreibende Ängstlichkeit bei. Diese Enten sind in einer völlig gestörten Art und Weise fleischgewordene Angstcharaktere. Und wenn sie Angst haben, dann gefährden sie sich selbst. Anstatt aufs Wasser zu flüchten, rennen sie das Ufer entlang, in den Wald, über die Straße, auf den Acker, wo sie natürlich umso leichtere Ziele für Fuchs, Habicht, Marder und Co. darstellen. Erschrecken sie sich auf dem Teich, dann tauchen sie minutenlang unter, und das immer wieder, im Extremfall (sagt zumindest das Internet) bis zum Tod durch Ertrinken (sie wissen halt nicht, daß sie keine Kormorane sind). Wenigstens haben sie sich bereits gute Stellen ausgesucht, an denen sie sich relativ ungestört ausruhen können (blickdichte und undurchdringliche Brombeerüberhänge am Ufer). Wenn sie da sitzen, lassen sie es manchmal zu, sie aus der Nähe zu betrachten. Man muß nur entweder schnell vorbeigehen oder sich ganz langsam nähern, aber nicht zu nah. Normalerweise müssten sie sich eigentlich an meine Gestalt bereits gewöhnt haben, so oft und so lange ich da war, um mich ihres Wohlergehens zu versichern. Am Samstag habe ich mich sogar dazu durchgerungen, eine Viertelstunde beruhigend auf sie einzureden, als sie mal wieder in ihrem Brombeergestrüpp kauerten, obwohl ich vor Scham ob dieses peinlichen Geredes fast gestorben wäre. Sie haben zu mir aufgeschaut, artig gelauscht und sind nicht abgehauen. Zum Schluß meine ich sogar bemerkt zu haben, daß zwei von ihnen weniger ängstlich, vielmehr interessiert geschaut hätten; aber da kann auch der Wunsch Vater des Gedanken gewesen sein. Heute kam ich hin und sie sind wieder gerannt und getaucht. Was soll man da machen? Hatte ich vorher schon bei auffrischendem Wind Zweifel, wie die Enten das wohl überstehen, bin ich gestern tausend Tode gestorben, weil es stürmte, hagelte und blitzte, das volle Angstprogramm. Sie könnten es sich ganz einfach machen. Ich habe ihnen nämlich auf dem Teich eine Stelzenterasse gebaut mit einem schönen Haus drauf. Da wären sie vor Killertieren in Sicherheit und auch noch vor Wind und Wetter geschützt. Aber leider jagt ihnen diese geniale Konstruktion ebenfalls Angst ein. Jetzt freut sich nur der Eisvogel, der sich vom Dach des Häuschens aus ins Wasser stürzt. Auch so der Futterautomat. Ich habe ihnen eine Spur Futter zu diesem Teil gestreut, und wenn sie etwa zwei Meter davor angekommen sind, fangen sie an mit ihrem Hinterteil zu wackeln, gehen nicht mehr voran, sondern machen einen langen Hals um noch ein paar Körner zu fressen und kehren dann um. Vorgestern hätten sie es glaube ich fast gewagt, aus dem Teil zu fressen, aber dann landete eine Pärchen Stockenten auf dem Teich (das sich natürlich ohne Scheu an dem Futterautomaten gütlich getan hat), dann kam ein Auto usw., irgendwas war immer und dann war´s auch schon dunkel. Heute habe ich vier Nistkästen für die Enten gebaut. Meine letzte Hoffnung ist echt ihr Geschlechtstrieb. Vielleicht macht Liebe ja auch Enten blind und sie scheißen auf Störungen, wenn nur der Partner zum balzen da ist. Während des Brütens sollen die Erpel sogar todesmutig auf Menschen zurennen und märtyrermäßig den Feind vom Nest ablenken. Wäre nicht schlecht, wenn´s so käme, dann könnte ich mal ein Photo machen.


Was wohl die Enten grad machen?


der Dude – Ritter der Schwafelrunde

1 Kommentar 4.12.07 20:42, kommentieren

Lebensabend, jetzt!

Ich habe das Portfolio meiner Seniorenhobbies erweitert. Neben Boule, Schach und Gartenarbeiten halte ich jetzt Enten und gehe angeln. Interessen sind glaube ich hormonell bedingt. Ich träume jetzt auch fast jede Nacht davon, dass die 5-jährige Dakota Fanning auf meinem Schoß sitzt und mir Kinderfragen stellt (wo das Licht hingeht, wenn man den Schalter ausmacht usw.). Ich habe ihr auch schonmal was aus Brehms Tierleben vorgelesen und anderes Kinder-Eltern-Zeug vollführt. In einem etwas weniger dem Jugendwahn verfallenen Umfeld könnte ich glaube ich damit sehr glücklich werden und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Man kann sich aber gar nicht dagegen wehren, diese Lebensgestaltung als Verlust zu empfinden. So als wäre das das Ende und nicht der eigentliche Anfang.


der Dude – Ritter der Schwafelrunde

1 Kommentar 18.11.07 14:13, kommentieren